Tech-Themenwoche Low Code

The Appian way of low code

Ein Artikel von Dunja Koelwel | 22.11.2022 - 12:00
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Michael Beckley ist Gründer und CTO von Appian. Er treibt die technische Vision des Unternehmens voran, leitet die Marketingteams für Produkte und Lösungen von Appian und beaufsichtigt Kundeninitiativen weltweit. Michael ist Mitglied des Industrial Advisory Board des Computer Science Department der University of Virginia und Absolvent des Dartmouth College.

Sie haben Marinegeschichte und Militärgeschichte studiert. Wie kommt hier zur Technologie? Und dazu ein Technologieunternehmen zu gründen.

Michael Beckley: In der Schifffahrt und beim Militär waren es immer technische Innovationen, die weitergebracht haben. Als Experte in Marinegeschichte muss man daher immer erst die Technologie verstehen, um weiterzukommen. Und im Unternehmen meines Vaters habe ich mich damals um die IT gekümmert. Ich wollte nie ein Unternehmen führen, denn die Diskussionen mit Kunden über Geld sind nicht mein Fall, mich interessiert die Technik und Innovation. Und ich hatte zum Glück technisch orientierte Freunde, die ein Unternehmen gründen wollten. Wir sind gestartet mit dem Ansatz ein Unternehmen für Enterprise Software zu gründen, haben aber mit Consulting begonnen. Vielen Unternehmen war klar, dass sie sich den damals noch relativ neuen Technologien öffnen müssen, aber sie wussten nicht wie. Durch unsere Beratung haben wir einen „cultural algorithm“ geschaffen, der Unternehmen für Technologien öffnet. Wir haben schnell Kunden aus dem Bereich Banken und Versicherungen gehabt und sogar die Regierung beraten.

Appian ist dabei kein gewöhnliches Unternehmen, wir sind immer aus uns herausgewachsen. Die einzige Finanzierung, die wir in Anspruch genommen haben, waren zehn Millionen Dollar vor unserem IPO – eine kleine Summe im Vergleich zu den heutigen Zahlen.

Appian…wie kamen Sie auf den Namen?

Michael Beckley: Als wir das Unternehmen gründeten, haben wir wie jedes Startup lange überlegt, wie wir unsere Unternehmen nennen sollten. Wir haben einen zeitlosen Namen gesucht, der unseren Ansatz darstellt. Wir Gründer sind alle an Geschichte interessiert, besonders an der der Antike und dann kam die Schwester eines Gründers auf die Via Appia – Appian. Das war unser Heureka. Eine strategische Verbindung, die nach vielen hunderten von Jahren immer noch existiert, mit damals einer klaren Roadmap der Weiterentwicklung und der Pflege. Und der Name fängt auch noch mit A an, was für ein Startup auch wichtig ist, oben gerankt zu werden.

Und dann haben Sie sich Low Code zugewandt. Aber es gibt viele unterschiedlichen Formen von Low Code. Worin besteht das größte Missverständnis?

Michael Beckley: Die Unterschiede bei Low Code können riesig sein. Es gibt einfache Anwendungen, die perfekt für die Teamarbeit geeignet sind, mit denen sich schnell Apps erstellen lassen. Aber es gibt Low Code Plattformen, die für komplexe Geschäftsprozesse gemacht sind – das ist unser Ansatz. Beides hat wenig gemeinsam. Unser Ansatz ist nicht das Visual Design, das lässt sich einfach umsetzen, sondern das Process Management.

Low Code lässt sich mittlerweile durchaus als Mainstream bezeichnen. Ein Gartner Forecast meint beispielsweise, dass bis 2024 75 Prozent der größeren Unternehmen Low Code nutzen werden. Was kommt als nächstes?

Michael Beckley: Ich würde sagen, dass Data Fabric künftig Low Code ergänzen wird. Eine Data Fabric ist eine Architektur und ein Satz von Datendiensten, die konsistente Funktionen über eine Reihe von Endpunkten bieten. Dabei handelt es ist eine leistungsstarke Architektur, die bewährte Verfahren und die praktische Umsetzung des Datenmanagements in allen Cloud-, On-Premises- und Edge-Geräten standardisiert. Zu den vielen Vorteilen einer Data-Fabric-Strategie gehören auch die Datentransparenz und Einblicke aus Daten, Datenzugriff und -kontrolle, sowie der Datenschutz und die Sicherheit ganz oben auf der Liste.

Eine Data Fabric ist im Kern eine integrierte Datenarchitektur, die anpassungsfähig, flexibel und sicher ist. In vielerlei Hinsicht ist eine Data Fabric ein neuer strategischer Ansatz für den Storage-Betrieb in Ihrem Unternehmen, der die Stärken von Cloud, Core und Edge optimal ausschöpft. Die Lösung erreicht alle Standorte, einschließlich On-Premises, Public und Private Clouds sowie Edge- und IoT-Geräte – und bleibt dabei zentral verwaltet.

Vorbei sind die Zeiten der uneinheitlichen, getrennten Infrastrukturen und Datensilos in der Größe von Hochhäusern. Eine Data Fabric basiert auf umfangreichen Datenmanagement-Funktionen, die für Konsistenz in Ihren integrierten Umgebungen sorgen. Sie verringert langwieriges Management durch die Automatisierung, beschleunigt die Entwicklung/Tests und die Implementierung und schützt Ressourcen rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr.

Low Code bei Versicherungen

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Als Leiter der Versicherungsbranche bei Appian arbeitet Gijsbert Cox mit Versicherern in ganz Großbritannien, Europa und Asien zusammen, um ihnen dabei zu helfen, ihre Abläufe neu zu gestalten und ihr Geschäft und ihre Kundenerfahrung durch Low-Code-Automatisierungstechnologien zu transformieren. Unter seiner Führung hat Gijsbert Cox Aegon, Aviva, Munich Re und vielen weiteren Unternehmen dabei geholfen, ihre digitalen Modernisierungsinitiativen zu beschleunigen. Gijsbert verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Versicherungs- und Managementberatung und war über ein Jahrzehnt als Head of Change in Europa bei Hiscox und Operations Manager bei PartnerRe tätig. Vor seiner Tätigkeit im Versicherungswesen arbeitete Gijsbert neun Jahre lang an mehreren internationalen Blue-Chip-Projekten bei Accenture und KPMG. 

Versicherungen stehen vor einer ganz besonderen Herausforderung: Sie habe ihre Daten über viele Jahre gesammelt, haben mit unterschiedlichen Bereichen und Abteilungen viele Silos geschaffen und durch die vielen Übernahmen und Akquisitionen der letzten Jahren kamen oft weitere Daten und Silos hinzu.

Wie sollen da noch Versicherer ihr immer anspruchsvoll werdenden Kunden gut versorge und beraten? Um ihren Kunden eine zeitgemäße „connected experience“ zu bieten, müssen sie Daten aus den unterschiedlichsten Quellen suchen und zusammenführen. Und hier kommt Appian mit seiner Low Code Plattform ins Spiel, denn unsere Lösung macht es möglich, schnell Apps zu bauen und schnell Daten aus den verschiedenen Quellen zu ziehen. Das sind also zwei starke Features: Guter Workflow und gutes Case Management.

Genau dies befähigt Versicherer agil zu arbeiten, ein unabdingbares Erfordernis heutzutage. Um es nochmals kurz zusammenzufassen: Agiles Arbeiten beschreibt die Arbeitsweise, die Unternehmen und auch Teams dazu befähigt, sich schnellen Veränderungen anzupassen, kurzfristig zu reagieren und somit erfolgreich zu arbeiten. Früher hatten Mitarbeiter eine Vorstellung, wie sie einen Prozess ändern wollten, haben das schriftlich fixiert, an die IT Abteilung gegeben und wenn alles gut lief, kam in sechs Monaten ein Ergebnis, das halbwegs den Ansprüchen genügte – oder auch nicht. Man konnte immer nur kleine Schritte gehen.

Mit Low Code kann man nun auch kleine Schritte gehen, aber schnell und kontinuierlich. Ein Gartner Forecast meint, dass im Jahr 2024 75 Prozent aller Unternehmen mit Low Code arbeiten werden. Das halte ich für realistisch, vermutlich sind es noch mehr. Man muss aber unterscheiden, dass es viele Arten von Low Code gibt: Sehr einfache Varianten und Varianten, die mit sehr komplexen Problemstellungen zurechtkommen. Wir bei Appian können Entwickler so schulen, dass diese innerhalb von zwei Wochen Low Code einsetzen können.

Wichtig ist dann, dass jeder Versicherer sich genau überlegt, was er mit Low Code lösen will. Und dann gilt zu überlegen, welche Plattform man wählen möchte, damit man später nicht mit einfachen Low Code Plattformen an Grenzen stößt. Aber wenn die Plattform frei und umfangreich ist wie Appian, dann – auch das ist schon geschehen – konnte ein Versicherer sogar sei altes Kernsystem durch ein neues ablösen und die ganzen Low Code Entwicklungen mit Appian migrieren. Ein nicht trivialer Prozess, aber er funktioniert.