Diese fünf Risiken fordern Versicherungsmanager heraus

Ein Artikel von red | 20.01.2022 - 12:30
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Mathias Pahl, Geschaeftsfuehrer und Head of Corporate Risk and Broking, WTW © WTW

„Es kommen zu viele neue, bisher unbekannte Risiken auf Organisationen zu, als dass man weiterhin ‚Risikomanagement im Rückspiegel‘ betreiben könnte“, erklärt Mathias Pahl Head of Corporate Risk & Broking bei WTW. „Risikoentscheidungen zu Klima- oder Cybergefahren können nicht auf Vergangenheitswerten basieren – die sogenannten ‚Emerging Risks‘ zeichnen sich dadurch aus, dass sie durch fehlende historische Daten kaum oder nur schwer zu bewerten sind.” Das kommt auf die Unternehmen zu: 

1. ESG: Nachhaltigkeitsverpflichtungen

ESG-Kriterien fließen zunehmend in die Unternehmensbewertung ein und werden zum Erfolgsfaktor bei der Beschaffung von Kapital. „ESG zwingt zum Umdenken, denn die Kriterien zählen seit diesem Jahr auch in der Versicherung zum regulatorischen Standard“, erläutert Monika Behrens, Geschäftsführerin der Willis Towers Watson Versicherungsmakler GmbH. „Firmen, die diese Standards nicht erfüllen, riskieren, dass sie künftig keinen adäquaten Versicherungsschutz mehr erhalten.“ Insgesamt steigt der Druck auf Unternehmen, nachhaltiger zu werden, um ihre eigene Auswirkung auf das Klima zu minimieren. 1 ESG = Environmental, Social, Governmental: Kriterien zur Unternehmensbewertung, die auf ein Gesamtkonzept aus Umwelt- und Sozialaspekten sowie auf gute Unternehmensführung abzielen.

Auch das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG), das ab 2023 in Kraft tritt, fordert nachhaltiges Handeln: Es verpflichtet zu einer Risikoanalyse der eigenen Lieferkette im Hinblick auf mögliche Menschenrechtsverletzungen oder Umweltschäden.

Behrens weiter: „Damit Unternehmen ‚resilient‘ gegen die Herausforderungen aus Klimakrise und Nachhaltigkeit werden können, ist künftig die Kooperation von Risk Management und Sustainability Management in einer Organisation besonders wichtig.“ 

2. Klimarisiken

Bereits heute führen Überschwemmungen, Hitzewellen oder kriegerische Auseinandersetzungen um Wasser die Liste der Klimarisiken an. Jedes Unternehmen kann die daraus resultierenden Bedrohungen nur individuell für sein Geschäft und seine Standorte bewerten. Dafür sind moderne Tools und umfassende Datenbanken nötig, die aufzeigen können, mit welchen Schäden etwa in einer bestimmten Region gerechnet werden muss. „Wer Klimagefahren erkennt, sollte zweigleisig fahren“, so Behrens: „Es gilt einerseits, Risiken durch Präventionsmaßnahmen abzumildern, andererseits mögliche Verluste durch Versicherungslösungen abzudecken.“ 

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Monika Behrens, Geschaeftsfuehrerin, WTW © WTW

3. Cyber-Gefahren

Aufgrund massiv gestiegener Cyber-Schäden zeichnen Versicherer dieses Risiko immer zurückhaltender. 2022 werden die verfügbaren Kapazitäten weiter reduziert, sodass vor allem Großunternehmen kaum noch ausreichend Versicherungsschutz erhalten. „Um weiterhin Cyber-Deckungen zu bekommen, müssen Unternehmen proaktiv die Schwachstellen in ihren IT-Systemen identifizieren und ausbessern“, sagt Behrens. „Auch sollten sie verstärkt und wirksam in Prävention investieren, beispielsweise in die Schulung und Sensibilisierung ihrer Mitarbeiter.“ 

4. Politische Risiken

Unternehmensverluste durch politische Turbulenzen – etwa durch Kriege, den Brexit oder Covid – nehmen weltweit zu. Unternehmen sollten politische Spannungsfelder genau beobachten, um auf mögliche Auswirkungen gefasst zu sein. „Digitale Risikotools, die sich großer Datenmengen bedienen, können beispielsweise die Kosten für politische Risiken in bestimmten Rechtsräumen oder Industrien bewerten“, so Behrens. Pressemitteilung Für viele Unternehmen steigt mit der Coronapandemie auch das Insolvenzrisiko. „Letztlich müssen selbst Unternehmen, die wirtschaftlich nicht unter der Pandemie leiden, 2022 herausstellen, wie sie beabsichtigen, den pandemiebedingten Risiken entgegenzuwirken.“ 

5. Pandemie bedroht Stabilität in Unternehmen

Die Folgen von Corona sind in vielen Unternehmen noch nicht abschätzbar und spiegeln sich auf vielen Ebenen wider: Vielen gemeinsam ist die Sorge vor der wachsenden Inflation. Diesbezüglich müssen bestehende Verträge und Versicherungssummen noch einmal überprüft werden, insbesondere in den Bereichen Sachversicherung und bei der Versicherung von Kostenpositionen. Darüber hinaus sind neu aufkommende Mitarbeiterrisiken hoch. So zeigt der jüngste Benefits-Trends Survey von WTW, dass die Wechselbereitschaft von Mitarbeitern Ende 2021 sehr viel höher ist als vor der Pandemie. Eine stärkere Berücksichtigung von Benefits-Angeboten zur Mitarbeiterunterstützung und - bindung sind daher in Zukunft unerlässlich. Risikomanager müssen auch diese Felder fortwährend beobachten, um schnell handeln zu können.