Trendprognosen 2022

Highspeed für die Digitalisierung: Ohne geht’s nicht

Ein Artikel von red | 20.12.2021 - 08:36
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Datenpakete © 3dkombinat - Fotolia

Auch im Jahr 2022 werden die Pandemie-Erfahrungen das Handeln der Versicherungen beeinflussen: Sie müssen in Sachen Digitalisierung verstärkt Gas geben. Denn Mitarbeitende werden die positiven Aspekte flexiblen, dezentralen Arbeitens auf Dauer erhalten wollen. Darüber hinaus werden auch Kunden Versicherungen danach auswählen, wie kundenorientiert Produkte und Services sind.

Dabei spielt die Modernisierung hybrider Altsysteme eine wichtige Rolle. Eine über Jahrzehnte selbst entwickelte und gewachsene heterogene IT-Landschaft lässt sich nicht von heute auf morgen umkrempeln und modernisieren. Für viele Versicherer lautet die Herausforderung nach wie vor, die Legacy-IT zu modernisieren und analoge Prozesse in eine digitale Realität zu überführen.

Es ist eine Kombination aus dem Umfang solcher Projekte und internem Ressourcenmangel, weshalb viele Unternehmen auch jetzt noch nicht so weit sind, wie sie bereits vor einigen Jahren sein wollten. Deshalb wird auch 2022 im Zeichen der Digitalisierungsbestrebungen stehen. Der enge Austausch mit IT-Entscheidern auf Versicherungsseite zeigt aber, dass die Branche verstanden hat, zunächst beispielsweise Bearbeitungsprozesse zu automatisieren und Datensilos aufzulösen, um im nächsten Schritt Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz (KI) umfassend einsetzen zu können.

Omni-Channel und Customer Experience

In den kommenden Jahren werden Versicherungen weiterhin den Blick über den Tellerrand hinaus richten und verstärkt auf Kundenorientierung sowie Customer Experience der Omnichannel-orientierten E-Commerce-Unternehmen achten. Vereinfachte und verbesserte Prozesse an der Kundenschnittstelle werden deshalb zu Recht bei den meisten Versicherungen verstärkt im Fokus stehen. Um „Digitalisierung“ kundenzentriert zu realisieren, bedarf es Veränderungen im Backend. Dabei ist ein Einsatz von Cloud-Technologie für zukunftsfähige Versicherungen alternativlos. Insbesondere „Software as a Service“ und cloudbasierte Infrastrukturdienste stellen die Mittel der Wahl dar, um den Herausforderungen der Digitalisierung zu begegnen.

Fachkräftemangel treibt Digitalisierung

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Autor: Karsten Schmitt ist Leiter Business Development bei Adesso Insurance Solutions. Er verfügt über weitreichende Expertise und Erfahrung im Bereich Bestandsführung und Schadenmanagement von Kompositversicherungen.

Ein weiterer Aspekt betrifft die bereits jetzt angespannte Personalsituation in den IT-Abteilungen von Versicherungen. Dort wird Fachpersonal händeringend gesucht. Auch heute noch basiert die Backend-Software vieler Versicherungen zum Beispiel auf COBOL. Eine veraltete Programmiersprache, die in der Lebens- und Ausbildungswelt junger Softwareentwickler nicht mehr vorkommt. Nicht selten werden COBOL-Entwicklern sogar aus dem Ruhestand geholt, weil Nachwuchs, der sich auf COBOL spezialisiert, fast nicht vorhanden ist.

Das bedeutet also konkret: Selbst die Personalsituation erzwingt eine Modernisierung der IT-Infrastruktur, der Prozesse und der Zusammenarbeit innerhalb der IT-Schaltzentralen von Versicherungen. Der Einsatz von Standardsoftware für die Kernprozesse von Versicherungen wird auch im Hinblick auf diese Thematik vermehrt diskutiert werden, denn auf diese Weise kann die knappe Ressource IT-Personal effizient und gewinnbringend in Wertschöpfung erzeugenden Feldern eingesetzt werden.