Studie von Société Générale: Plünderung des Kollektivs

 
12.03.2010
 

Damit Lebensversicherer auch in Zukunft am Markt bestehen können, müssen die Rahmenbedingungen geändert werden. Das ist ein Ergebnis der Studie "Beitragswachstum ade" von der Stategic Institutions Abteilung der Société Générale.

In der Studie wurde eine Stichprobe von 44 Lebens-, 21 Kranken- und 41 Sachversicherern analysiert. Das entspricht einem kumulierten Marktanteil von über 90 Prozent.

Kernpunkte der Studie

Das Neugeschäft in der Lebensversicherung bestand zu großen Teilen aus Einmalzahlungen, die nur kurzfristig angelegt werden. Dies bedeutet eine Plünderung des Kollektivs - weder für den Versicherungsnehmer noch für den Aktionär eine Lösung. Zwar müssen Lebensversicherer den Vertrieb in einem Rezessionsjahr bei Laune halten, doch gefährden zu vorteilhafte Konditionen für Neukunden nachhaltig die Risikotragfähigkeit der Gesellschaften.

Grundsätzlich stellt sich die Frage nach der Zukunftsfähigkeit des Lebensversicherungsgeschäfts, da die Prämieneinnahmen mit Einmalbeiträgen nicht mehr nachhaltig sind. Um wieder Raum für attraktive Renditen zu schaffen, müssen die Rahmenbedingungen geändert werden.

Solvency II nicht durchsetzbar


Nach den neuen Vorgaben zu Solvency II brauchen Lebensversicherer bei dem aktuellen Investmentportefeuille und 2008er Bilanzzahlen 70 Prozent beziehungsweise 54 Milliarden Euro an zusätzlichen Eigenmitteln, Krankenversicherer 80 Prozent beziehungsweise 12 Milliarden Euro mehr an Eigenmitteln. Lediglich die Sachversicherer verfügen über 25 Milliarden Euro an überschüssigen Mitteln.

Solvency II wird sich in der aktuellen Form nicht durchsetzen lassen, da ansonsten gerade nichtbörsennotierte Gesellschaften entweder zur Demutualisierung und/oder zum Börsengang gezwungen werden würden: Sie haben ansonsten keinen Kapitalzugang. Eine Lösung wäre die Abkehr von der Fair Value Betrachtung von Solvency II, und damit eine Annäherung an die neuen internationalen Bilanzregeln.

Aktieninvestments als Schutz gegen Inflationsrisiken

Die Risikokapitalsituation von Lebensversicherern hat sich in 2009 entspannt, jedoch gehen die Analysten mittelfristig von höheren Zinsen aus, wodurch die Solvency II-Vorgaben einer Ruinwahrscheinlichkeit von unter 0,5 Prozent nicht einhalten lassen.

Empfehlenswert erscheint eine Assetallokation, die zu 14 Prozent aus Aktien, zu acht Prozent aus Immobilien, zu zehn Prozent aus Firmenanleihen und zu 68 Prozent aus anderen festverzinslichen Wertpapieren besteht. Aktieninvestments sind nötig, um sich gegen Inflationsrisiken zu schützen. Nötig ist dabei eine Zulassung der Durationsformel für Aktien in Deutschland, die in anderen EU-Ländern bereits Anwendung findet. Nur so können deutsche Lebensversicherer der hiesigen Wirtschaft Eigenkapital zur Verfügung stellen.

Bei den Sachversicherern fällt auf, dass sie trotz Überkapitalisierung weniger Investmentrisiken eingehen. Gerade kleinere Versicherer nehmen aber niedrigere versicherungstechnische Ergebnisse hin, die sie mit dem Kapitalanlageergebnis ausgleichen.

Bei den Krankenversicherern hat sich die Risikokapitalsituation ebenfalls momentan entspannt, jedoch reichen die Eigenkapitalrendite und vor allem die Kapitalerträge nicht aus, um die Versicherungsnehmer vor Prämienerhöhungen zu schützen. Hier ist eine Änderung des Aufsichtsverfahrens nötig.

rh