Solvabilität II: AMICE sieht kleine Versicherer bedroht

 
15.03.2010
 

"Obwohl Solvabilität II nicht darauf aus ist, die Strukturen des europäischen Versicherungsmarkts zu verändern, droht genau das zu passieren", sagte AMICE-Präsident Asmo Kalpala anlässlich eines Seminars für Versicherer auf Gegenseitigkeit im finnischen Espoo. "Europas gegenseitige und genossenschaftliche Versicherer appellieren daher an die Kommission, die Angebotsvielfalt und den gesunden Wettbewerb in der Versicherungsbranche zu erhalten. Die Interessen der Konsumenten an stärkerem Schutz und an größerer Auswahl müssen besser ausbalanciert werden."

AMICE hat das Solvabilität-II Projekt grundsätzlich unterstützt. Optimierte Kapitalerfordernisse und ein verbesserter Aufsichtsprozess seien der richtige Ansatz, gleichzeitig den Schutz der Versicherungsnehmer und die allgemeine Stabilität des Marktes zu verbessern.

"Wenn das Proportionalitätsprinzip in Solvabilität II nicht funktioniert, werden wir eine rasante Marktkonsolidierung erleben," fügte AMICE-Präsident Kalpala hinzu. "Unverhältnismäßige Organisationsvorschriften sowie Berichts- und Offenlegungspflichten stellen kleinere Versicherer vor immense Probleme. Überzogene Kapitalanforderungen treffen Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit besonders hart."

Die Europäische Kommission arbeitet zurzeit an den Durchführungsmaßnahmen zu Solvabilität II auf der Basis von Empfehlungen von CEIOPS, der Vereinigung der europäischen Aufsichtsbehörden. Die von CEIOPS vorgeschlagenen Kalibrierungen seien aus Konsumentensicht nicht ideal. Die europäische Versicherungswirtschaft ist sich nach Informationen von AMICE einig, dass die Anforderungen an Kapital, Organisation, Berichtswesen und Offenlegung die Prämien für Versicherungsleistungen stark in die Höhe treiben könnten. Gleichzeitig würden Kürzungen der Versicherungsleistungen drohen, etwa im Bereich der Zusatzpensionen aus Lebensversicherungsverträgen.

Übervorsichtige und unangemessene Vorschriften erhöhen laut AMICE den Kapitalbedarf der Versicherer und verteuern ihre Finanzierung. Kleine und spezialisierte Versicherer, denen Versprechungen von Vorteilen aus Risikodiversifizierung nicht viel helfen, seien besonders betroffen.

Ihr Kapitalbedarf könne sie zur Konsolidierung zwingen, um den Preis des Verlusts ihres wichtigsten Wettbewerbsvorteils: ihrer Kundennähe. Manche könnten sich gezwungen sehen, ihre Rechtsform auf Gegenseitigkeit aufzugeben oder gar die Geschäftstätigkeit einzustellen. Versicherer auf Gegenseitigkeit hätten zudem eingeschränkte Möglichkeiten zur Kapitalaufnahme als börsennotierte Versicherungs-AGs – sie wären vom Konsolidierungsdruck daher am stärksten betroffen.

rh