Wirksames Risikomanagement

 
Heft 2/2010
 
Wirksames Risikomanagement
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Matthias Haas - Fotolia.com

APM im Kontroll-, Steuerungs- und Entscheidungsprozess.Bereits in der letzten Ausgabe
hatten die Autoren das Grundkonzept für ein Aktiv-Passiv-Management (APM) vorgestellt. Nun geht es um die Details und die organisatorische Umsetzung in Versicherungsunternehmen.

Grundlage für die Simulation im Aktiv-Passiv-Management sind Unternehmenskennzahlen eines Basisjahres. Diese Daten können meist direkt dem Geschäftsbericht entnommen werden. Die Anwendung stellt eine Arbeitsmappe zur Verfügung, in die Daten aus der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung eingegeben werden können. Dabei können die Daten in unterschiedlichen Detaillierungsgraden eingetragen werden. Ein Beispiel dafür sind die Anlageklassen des Versicherungsunternehmens. Diese können beliebig detailliert eingegeben werden. Verfügt der Anwender über keine genaueren Informationen, so kann bereits mit den Informationen, die dem Geschäftsbericht entnommen werden können, eine erste grobe Analyse durchgeführt werden. Je genauer die Ausgangsdaten jedoch vorliegen, desto genauer kann eine Simulationsrechnung durchgeführt werden und desto präziser sind auch die Ergebnisse. Die beliebig definierten Anlageklassen werden Indexklassen zugeordnet, die von der Anwendung vorgegebenen sind. Die Indexklassen werden in der Simulation beispielsweise für eine Marktwertbestimmung herangezogen.

Im Bereich der Schadenversicherung unterstützt das Bilanzmodell xALM die detaillierte Erfassung und Simulation mehrerer Branchen (Lines of Business, LOB) wie etwa Kfz, Haftpflicht oder Unfall. Die Anzahl der LOBs ist dabei ganz dem Anwender überlassen. Es können sowohl Berechnungen auf aggregierter Ebene als auch auf Detailebene durchgeführt werden.
Die Simulation erfolgt auf der Basis von multideterministischen Szenarien. Diese Szenarien stellen die Einschätzung der erwarteten zukünftigen Entwicklungen auf den verschiedenen Märkten dar, auf denen ein Versicherungsunternehmen tätig ist. Die Modellierung der verschiedenen Komponenten ermöglicht auch hier eine fachliche Strukturierung der Szenarien. So erfolgt die Planung der Finanzmarktszenarien unabhängig von der Planung der Unternehmensszenarien.

Ein Finanzmarktszenario lässt sich wiederum in vier Teilbereiche unterteilen:

▷Zinsszenario,

▷Spreadszenario,

▷Performanceszenario,

▷Marktabhängigkeitsszenario.

Zinsszenarien beschreiben die erwartete Entwicklung der Zinsstrukturkurve. Dabei können sowohl Parallelverschiebungen der ursprünglichen Kurve, wie auch eine komplette Änderung der Zinsstruktur vorgesehen werden.

Der maßgebliche Einfluss der Credit-Spread-Entwicklung auf die Kapitalanlagestrategie wird in xALM durch ein eigenes Spreadszenario abgebildet. Der Anwender hat dabei die Möglichkeit, seine Einschätzung der Entwicklung der Credit-Spread-Werte für vom System vorgegebene Indexklassen anzugeben.

Darüber hinaus lassen sich Indexstände für Aktienindizes wie DAX30 oder CAC40 prognostizieren. Marktwerte von Anlageklassen, die der Anwender den jeweiligen Indexklassen zugeordnet hat, entwickeln sich in der Simulation dann gemäß der Vorgabe eines solchen Performanceszenarios.

Vorgabe und Berechnung der Szenarien erfolgen deterministisch. Unter dem Gesichtspunkt der Nachvollziehbarkeit ermöglicht dies eine einfachere Analyse der Berechnungsergebnisse. Die Verantwortung für realistische Szenarien wird nicht auf das Modell oder einen Zufallsgenerator „abgeschoben“. Grundüberlegung des Arbeitskreises war hierbei, eine Transparenz und Nachvollziehbarkeit für die Entscheider in den Unternehmen zu schaffen. Dabei wurde bewusst auf eine Betrachtung von Wahrscheinlichkeiten an dieser Stelle verzichtet. Da aber auch Auswertungsergebnisse zu Ausfallwahrscheinlichkeiten eine sinnvolle Ergänzung und Argumentationshilfe bei der Betrachtung des Gesamtergebnisses der APM-Analyse darstellen, verwendet xALM einen so genannten „multideterministischen“ Ansatz. Das heißt, die Wertentwicklungen unterliegen wie beschrieben einer Vorgabe durch den Anwender. Unter der Annahme der Normalverteilung und der Angabe von Korrelationen und Volatilitäten der Indexklassen kann jedoch für jedes einzelne Jahr der Simulation eine Ausfallwahrscheinlichkeit für das jeweils darauf folgende Jahr bestimmt werden. Daten für Korrelationen und Volatilitäten können über Marktabhängigkeitsszenarien dem System bekannt gegeben werden.

All diese Teilbereiche lassen sich beliebig zu einem Finanzmarktszenario kombinieren. Dabei erhält der Anwender Unterstützung durch die grafische Oberfläche. Der Anwender kann sich beim Anlegen über eine Dialogfolge Schritt für Schritt unterstützen lassen oder durch einfaches „Drag & Drop“ („Ziehen und Loslassen“ mittels Mausbedienung) schnell neue Szenarien anlegen oder bestehende verändern. So können in kurzer Zeit zur Unterstützung der Planungsüberlegungen eine beliebige Zahl unterschiedlicher Szenarien betrachtet werden.

Für die Simulation sind neben den Finanzmarktszenarien noch zwei weitere Szenario-
typen von Bedeutung:

▷Unternehmensszenarien,

▷Allokationsszenarien.

Alle unternehmensindividuellen Plangrößen wie zum Beispiel die Entwicklung des Policenbestandes, Kosten und Erträge werden in Unternehmensszenarien abgebildet. Dabei ist auch hier sowohl eine generelle als auch eine detaillierte Planung möglich.

Im Bereich der Schadenversicherung lassen sich darüber hinaus detaillierte Angaben zu Rückversicherung und Schadenabwicklungen planen. Dem Einfluss der Rückversicherung kommt in der Schadenversicherung ein wesentlich höherer Stellenwert zu, als das in der Lebensversicherung der Fall ist. xALM unterstützen diesen Sachverhalt mit eigenen Rückversicherungsszenarien, mit denen sich die Auswirkungen unterschiedlicher Rückversicherungsstrategien testen lassen. Daneben lassen sich in separaten Abwicklungsszenarien unterschiedliche Schadenhöhen und daraus resultierende Abwicklungen angeben. Auch hier findet sich somit das Prinzip des Multideterminismus
wieder.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei der Geschäftspolitik eines Versicherungsunternehmens ist die Kapitalanlagestrategie. Die Aktiv-Passiv-Managementanwendung wird dieser Tatsache mit einem eigenen Allokations-
szenario für Kapitalanlagen gerecht. In einem Allokationsszenario kann ein Unternehmen die Struktur seiner Kapitalanlagen planen. Unterschiedliche Kapitalanlagestrategien und deren Auswirkungen auf das Unternehmen können mit xALM simuliert, ausgewertet und miteinander verglichen werden.

Hierzu eine kurze Fallstudie: In der kapitalbildenden Lebensversicherung ist der Hauptteil des Risikos auf der Aktivseite, das heißt in der Wertentwicklung der Kapitalanlagen, zu sehen. Der Wahl der Marktszenarien ist deswegen von entscheidender Bedeutung. Für eine Aktiv-Passiv-Managementanalyse mit deterministischen Szenarien hat sich die Simulation mit jeweils drei unterschiedlichen Marktszenarien als „Best Practice“ erwiesen. Dabei werden drei unterschiedliche Erwartungen für die Kapitalmarktentwicklung in Szenarien abgelegt: Ein Worst-Case-Szenario (ungünstigster Fall), ein Best-Estimate-Szenario (mittlerer Fall) und ein Best-Case-Szenario (günstigster Fall).

Nachdem die Ausgangsdaten eingelesen und die Geschäftspolitik mittels eines Unternehmensszenarios abgebildet ist, werden die drei Kapitalmarktszenarien berechnet und die Ergebnisse analysiert. Für die Analyse stehen dem Anwender eine Reihe von Tabellen und grafischen Auswertungen zur Verfügung. Unter anderem können für eine Analyse herangezogen werden:

▷Bilanzprojektionen,

▷Projektionen der Gewinn- und Verlust-
rechnung,

▷Entwicklung der Kapitalanlagen,

▷Entwicklung der Verteilung des Risiko-
kapitals,

▷Entwicklung Ausfallwahrscheinlichkeiten,

▷Entwicklung der BaFin-Stresstests.

Bei der Auswertung der Ergebnisse ist erneut der Ansatz der Gesamtbetrachtung des Unternehmens zu berücksichtigen, das bedeutet, dass die Analyse sich nicht nur auf eine Auswertung konzentrieren sollte. Ziel der Auswertung ist es, die Schwachstellen des Unternehmens im jeweiligen Szenario zu identifizieren. Solche Schwachstellen könnten bei den Kapitalanlagen zum Beispiel Anlageklassen mit hohem Risiko und vergleichsweise niedrigen Ertragswerten oder eine insgesamt schlechte Diversifikation durch zu starke Investitionen in einen Branchenzweig sein.

Sind die Schwachstellen identifiziert, können Gegenmaßnahmen geplant werden. Im Fall der ineffizienten Kapitalanlage kann unter Umständen eine Reallokation der Anlageklassen in Frage kommen. Eine solche Umschichtung kann mittels Allokationsszenario geplant und auch simuliert werden.

Um die Auswirkung der neuen Strategie gegenüber den ersten Simulationsrechnungen zu visualisieren, bietet xALM die Möglichkeit der Vergleichsauswertung an. Berechnungsergebnisse von beliebigen Simulationsläufen können innerhalb einer Auswertung angezeigt werden. Um den Anwender bei der Analyse der Auswertungen zu unterstützen, kommen in den Auswertungen Pivot-Tabellen und Pivot-Diagramme zum Einsatz. Mit deren Hilfe lassen sich für die Analyse relevante Teilaspekte gezielt selektieren und anzeigen.

Als Ergebnis einer Aktiv-Passiv-Management-analyse kann ein Gesamtresümee in Form eines Berichts erstellt werden. Auch hier kommen die Vorzüge der Spreadsheettechnologie zum Zug. In xALM bestehen alle Auswertungen aus Excel-Arbeitsmappen. Diese können somit nicht nur außerhalb der Anwendung betrachtet, sondern auch weiterverarbeitet und individuell aufge-arbeitet werden.

Konzept: Neun Schritte zum APM

 

Ein Aktiv-Passiv-Management-Analyseprozess mit xALM umfasst die folgenden Schritte:

1. Ausgangsdaten erfassen

2. Planung durchführen

a. Kapitalmarktentwicklung

b. Unternehmensentwicklung

3. Berechnungen (Simulationen) vornehmen

4. Auswertungen anzeigen

5. Ergebnisse bewerten

6. Weitere Berechnungen (Simulationen) vornehmen

7. Auswertungen anzeigen

8. Ergebnisse bewerten (eventuell bei Bedarf mehrfach)

9. Planung abschließen

Gesamtkontext: Die Rolle des APM im Risikomanagement

 

Gesamtkontext: Die Rolle des APM im Risikomanagement
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Arbeitskreis ALM

Die innerbetriebliche Organisation und Verankerung des Aktiv-Passiv-Managements und die Anwendung des vom Arbeitskreis erarbeiteten transparenten und nachvollziehbaren Bilanzmodells Leben erfüllt zu einem großen Teil bereits die Anforderungen der Finanzaufsicht an ein professionelles Risikomanagement. Das wurde auch bei einer Vorstellung der Arbeitsergebnisse bei der BaFin deutlich. Das individualisierte Handbuch mit den Managementregeln und den im einzelnen Unternehmen individuell organisierten Strukturen und Prozessen kann dann auch der BaFin bei einer örtlichen Prüfung eines Versicherungsunternehmens als Nachweis für ein systematisches, nachvollziehbares und transparentes (Risiko-)Management vorgelegt werden.

Mit dem hier vorgestellten Verfahren und der dazu entwickelten Software können IT und BO in Kooperation mit den einzelnen inhaltlich beteiligten Bereichen einen direkten Beitrag zur Installation eines wirksamen und wirtschaftlichen Risikomanagements im Sinne der aufsichtsrechtlichen Forderungen leisten und damit die Vor-stände aus deren Verantwortungsperspektive für das Gesamtgeschäft nachhaltig und zukunftssicher unterstützen.

Quelle: Arbeitskreis ALM
Branchenguide 2011
CallCenter for finance 2011
CallCenter Verband