MaRisk, Solvency II, IFRS sind einige aktuelle Stichworte, mit denen die europäischen Institutionen und die deutsche Finanzaufsicht (BaFin) das Risikomanagement in kleinen, mittleren und großen deutschen Versicherungsunternehmen etablieren und transparent machen wollen. Hier sind neben den Vorständen vor allem das Rechnungswesen, die Aktuare, die Asset-Manager und die Risikocontroller gefordert, ein entsprechendes Managementsystem zur Risikosteuerung zu installieren oder das bestehende System entsprechend zu ergänzen. Ohne IT-Unterstützung und betriebsorganisatorische Verankerung dieser Prozesse ist die Realisierung eines solchen Systems nicht vorstellbar.
Das war die Idee, gemeinsam mit Aktuaren, Asset-Managern, Rechnungslegungsspezialisten, Risikocontrollern und externen Analysten in einem Arbeitskreis ein auch und gerade für kleine und mittlere Versicherer anwendbares Verfahren zur Aktiv-Passiv-Steuerung zu entwickeln. Der Hintergrund hierzu waren einige erkennbare Entwicklungen in der Branche:
▷Abschmelzung der Reserven bei vielen Gesellschaften.
▷Steigender Finanzbedarf für Solvabilität, Investitionen, Rückversicherung und Wachstum.
▷Kurz- und mittelfristige Börsen- und Zinsentwicklung.
▷Häufig negative Renditen in großen Versicherungssparten.
▷Weniger Kompensationsspielräume durch geringere Renditen der Kapitalanlagen.
▷Wertschöpfung als Konzernziel von Aktiengesellschaften.
▷Outsourcing von Asset-Management-Funktionen ändert nichts an der Verantwortung des Vorstands.
▷Forderungen der Finanzaufsicht an das Risikomanagement.
▷Häufig fehlende Transparenz eingesetzter Expertensysteme für die Entscheider.
▷Häufig fehlende Kommunikationsplattformen zwischen den Experten der beteiligten Bereiche.
▷Neuordnung von Finanzaufsicht und Rechnungslegung auf europäischer Ebene (QIS-Studien).
▷Steigendes Interesse externer Analysten der Versicherungsbranche.
Diese Herausforderungen müssen von allen Versicherungsunternehmen individuell bewältigt werden. Was im Einzelnen dazu gehört und wie dieser Managementprozess zu organisieren ist, das kann allgemein durch Experten aus den einzelnen Bereichen entwickelt und allen interessierten Unternehmen und Stellen zur Verfügung gestellt werden. Vollständigkeit, Übersichtlichkeit und Verständlichkeit des entwickelten Managementprozesses und eines darauf abgestellten IT-gestützten Verfahrens auf der Grundlage der individuellen Geschäfts- und Wirtschaftprüferberichte, die alle Entscheidungsträger kennen, waren beim Vorgehen im Arbeitskreis grundsätzlich immer die Leitlinien.
Zum Vorgehen im Arbeitskreis wurden aus dem Blickwinkel aller beteiligten Mitglieder Ziele, Inhalte, Managementregeln, Ergebnisse und Organisation des Managementprozesses mit allen Arbeitsschritten und den daran Beteiligten erarbeitet. Diese Ergebnisse wurden in einem für alle Beteiligten in den Unternehmen übersichtlichen und verständlichen Handbuch gesammelt. Zum besseren gegenseitigen Verständnis enthält das Handbuch zu allen verwendeten Fachbegriffen ein Glossar. Das Handbuch ist als Vorschlag zu sehen, wie ein solcher Prozess im eigenen Unternehmen gestaltet werden könnte.
Aktuelle Entwicklungen werden vom Arbeitskreis regelmäßig geprüft (zum Beispiel weitere QIS-Studien, Entscheidungen der europäischen Gremien zur Rechnungslegung, zur Finanzaufsicht und so weiter). Das Handbuch wird mindestens einmal jährlich aktualisiert.
Nutzen eines Aktiv-Passiv-
Managements
Durch gesetzliche Vorschriften und Verordnungen der Aufsicht fühlen sich die Entscheider in den Versicherungsunternehmen häufig extern – und nicht selbst – bestimmt, Regeln zu beachten und Prozesse zu organisieren, die sich ihnen oft nicht als hilfreich für die eigene Arbeit erschließen, sondern für sie das Erfüllen von Vorschriften bedeuten.
Dass das nicht so sein muss, soll diese Betrachtung des von der europäischen und deutschen Finanzaufsicht, von Verbraucherschützern und von Analysten geforderten Aktiv-Passiv-Managements mit einer ökonomischen Sicht auf die Bilanz eines Lebensversicherers deutlich machen.
Da Solvency II und MaRisk in naher Zukunft nicht zu verhindern sein werden, lautet die Empfehlung deshalb, diese Entwicklung nicht als bürokratische Zwangsmaßnahme zu sehen, sondern sie zu nutzen, den betrieblichen Entscheidungsprozess zu verbessern, intern und extern transparenter zu gestalten und alle Beteiligten in die Lage zu versetzen, das Zusammenwirken von Entscheidungen im Produkt-, Vertriebs-, Prozess- und Kapitalanlagebereich in ihren positiven und negativen Wirkungen nachvollziehen zu können. Das Nutzen der Erkenntnisse hieraus kann dann den Nutzen für das eigene Unternehmen deutlich verbessern – und quasi nebenbei die Anforderungen der Aufsicht auch erfüllen.
Nutzen aus den Zielen
eines APM
Die Ziele eines umfassenden APM – und damit der allgemeine Nutzen für alle Beteiligten wie Kunden, Kooperationspartner, Vorstand, Mitarbeiter, Eigentümer sowie die Finanzaufsicht sind im Einzelnen:
▷Eine systematische und regelmäßige jährliche Analyse, Planung und Kontrolle des je nach betriebenem Versicherungsgeschäft und der Bestandszusammensetzung kurz-, mittel- und langfristig notwendigen Risikokapitals. Das vorhandene Risikokapital soll dauerhaft größer, gleich dem notwendigen Risikokapital sein. Der Nutzen: Das soll die dauerhafte Existenz des Unternehmens und damit die Kunden- und Geschädigtenansprüche sichern, die Arbeitsplätze erhalten und die Eigentümer vor einem Verlust ihrer Einlagen schützen.
▷Das APM analysiert die kurz-, mittel- und langfristigen Chancen-Risiko-Profile der Kapitalmärkte entsprechend den gewählten Anlageklassen und berücksichtigt deren Auswirkungen auf die bereits getroffenen vergangenen und die noch zu treffenden zukünftigen Kapitalanlageentscheidungen. Der Nutzen: Das soll eine erfolgreiche und sichere Anlagepolitik des Unternehmens fördern, die die Grundsätze der Mischung und Streuung beachtet sowie die Sicherung des Kapitals, die Erhaltung der Liquidität und die Ertragssteigerung als gleichwertige Ziele verfolgt.
▷Das APM ermittelt die möglichen und tatsächlichen Konsequenzen von Entscheidungen auf die einzelnen Bilanzpositionen, das einzelperiodische und das mehrperiodische Unternehmensergebnis sowie den geplanten Shareholder-Value (RoE, EVA oder andere Ergebniswerte). Der Nutzen: Bereits im Planungsstadium lassen sich die verschiedenen Auswirkungen von Entscheidungen erkennen. Daraus können dann alternative Optionen entwickelt werden, die bessere Ergebnisse erzielen sollen.
▷Ein systematisches und regelmäßiges APM sichert alle Unternehmensentscheidungen mit ihren finanziellen Konsequenzen entsprechend der Risikoeinschätzung durch die Geschäftsleitung ab. Der Nutzen: Strategische Entscheidungen über neue Produkte, Geschäftsfelder oder Vertriebswege, über Kooperationen und Outsourcing von Funktionen werden mit ihren finanziellen Risiken und Chancen bewertet. Investitionsentscheidungen über Ersatz-, Erhaltungs-, gesetzlich veranlasste-, Rationalisierungs-, Verbesserungs- und Erweiterungsinvestitionen werden mit ihren positiven und negativen Wirkungen im Unternehmen in unterschiedlichen Szenarien (optimistisch, realistisch und pessimistisch) bewertet. Operative Entscheidungen über Prozesse, Produktsegmentergebnisse und Budgets für Organisationseinheiten und Projekte werden mit ihren finanziellen Konsequenzen (ertrags- und kostenbezogen) bewertet.
▷APM ermöglicht ein systematisches und organisiertes frühzeitiges Erkennen und Vermindern von Ruinwahrscheinlichkeiten (= Risiken) sowie die Nutzung erkannter Ertragsmöglichkeiten (= Chancen). Der Nutzen: Die regelmäßige und organisierte Betrachtung von Risiken und Chancen verbessert die Kommunikationsprozesse der unterschiedlichen Beteiligten im Entscheidungsprozess (Vertriebs-, Produkt- und Prozessverantwortliche) und soll zu besseren und nachvollziehbareren Entscheidungen führen. Die Dokumentation der einzelnen Schritte verbessert den ständigen „Lernprozess“ im Unternehmen aus den erzielten Tops und Flops und soll den Anteil der richtigen Entscheidungen erhöhen.
▷Das APM-Bilanz-Modell schafft Simulationsmöglichkeiten für die Auswirkungen neuer und bestehender Produkte sowie neuer und bestehender Anlagearten auf die Gewinn- und Verlustrechnungs- und die Bilanzpositionen. Der Nutzen: Der Einsatz eines APM-Bilanzmodells, das von allen Verantwortlichen im Unternehmen – im Vorstand, im Aktuariat, in der Kapitalanlage, im Rechnungswesen, im Vertrieb – inhaltlich und methodisch verständlich und aktiv genutzt werden kann, erweitert die Betrachtungsmöglichkeiten alternativer Auswirkungen auf das Risikokapital und soll zur Verbesserung der Entscheidungsfindung beitragen.
▷Ein APM-Bilanz-Modell kann eine laufende Überprüfung der Deckung des Solvabilitätsbedarfs, der Einhaltung der Kriterien der verschiedenen Stresstests sowie der Finanzkraft des Unternehmens unter verschiedenen Szenarien der Entwicklungen im Versicherungs-, Kapitalanlage- und Dienstleistungsgeschäft ermöglichen. Der Nutzen: Die getroffenen und dokumentierten Entscheidungen können mit dem APM-Bilanz-Modell und den unterjährigen Istinformationen aus dem Rechnungswesen und dem wirtschaftlichen Umfeld (Kapitalmarkt-, Storno-, Neugeschäfts-, Schaden- und Kostenentwicklung) ein wirkungsvolles Überwachungsinstrument bilden, das frühzeitig mögliche Entwicklungen im Risiko-Chancen-Bereich aufzeigt und damit rechtzeitig Gegensteuerungsmaßnahmen ermöglicht.
▷APM soll die Auswirkungen verschiedener Zielentscheidungen und der damit verbundenen Strategien auf die Aktiv- und die Passivseite der Bilanz bereits im Planungsstadium transparenter, nachvollziehbarer und plausibel machen. Der Nutzen: Verschiedene Entscheidungen im Unternehmen verfolgen oft konkurrierende, sich ergänzende oder auch gegensätzliche Ziele. Die Transparenz über die möglichen Auswirkungen soll dazu beitragen, dass die Entscheidungsverantwortlichen mit fundierteren und umfassenderen Informationen über die Alternativen ausgestattet sind und so zu besseren Prioritätsentscheidungen kommen.
▷APM soll die tatsächlichen Auswirkungen der Ziel- und Strategieentscheidungen transparent und nachvollziehbar machen und damit einen Lerneffekt – aus den Tops und aus den Flops – generieren. Der Nutzen: Dokumentierte und damit nachvollziehbare Entscheidungen lassen sich mit ihren Annahmen, Kriterien und geplanten Wirkungen nachvollziehen. Es entstehen Lerneffekte aus positiven und negativen Erfahrungen, aus denen sich dann ein verbessertes Risiko-Chancen-Management entwickeln soll.
Nutzen aus den Inhalten
eines APM
▷Die Inhalte eines umfassenden APM richten sich nach der Differenzierung der Aktiva (Vermögen in der Bilanz) und der Passiva (Kapital in der Bilanz) – ausgehend von der Darstellung in der Bilanz, danach weiter differenziert nach den für die Einzelentscheidung wichtigen Gliederungskriterien wie beispielsweise Risikoklassen bei den Kapitalanlagen oder Produktdifferenzierungen auf der Passivseite. Ebenso sind die Einzelpositionen der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) nach Erträgen und Aufwendungen zu betrachten. Der Nutzen: Für die Aufsicht ist die oberste Verdichtungsebene (Bilanz- und GuV-Schema, Nachweisungsformulare) in der Regel ausreichend. Hierfür sind die Informationen aus dem jährlichen Bericht der Wirtschaftsprüfer in aller Regel hervorragend geeignet. Der eigentliche Nutzen für die Verbesserung der eigenen Steuerungsentscheidungen sind die Ebenen unterhalb der Bilanz- und GuV-Positionen. Risiko- und Chancenprofile erfordern hierfür eine weitere Segmentierung nach Risikoklassen, Produktsegmenten, Vertriebswegen, Kundengruppen und/oder Regionalmärkten.
▷Insofern bestimmt das Geschäftsmodell des einzelnen Versicherungsunternehmens (Angebotspalette, Preispolitik, Vertriebswegemix, Kundensegmentierungen, Regionalmarktbesonderheiten und andere) die bisherige Kapitalanlagepolitik (konservativ, bevorzugte Assetklassen, Risikoneigung der Geschäftsleitung, Rückversicherungspolitik und anderes), aber auch das Investitionsverhalten entsprechend der Finanzausstattung (gesetzlich erforderliche Investitionen, Ersatz- und Erhaltungsinvestitionen, Erweiterungs-, Rationalisierungs- und Verbesserungsinvestitionen – bis hin zu strategischen Innovationen die Inhalte eines APM. Schließlich ist auch die Erwartung der Eigentümer an die für sie zu erwirtschaftende Kapitalrendite ein wesentlicher Bestimmungsfaktor für die inhaltliche Gestaltung eines APM. Alle diese Punkte sind für die inhaltliche Gestaltung eines APM zu Beginn des Entwicklungsprozesses vom Grunde her zu klären und als wesentliche Grundannahmen auch zu dokumentieren. Der Nutzen: Die Einführung eines APM sollte zu einer Überprüfung und Weiterentwicklung des eigenen Führungsinformationssystems und der eigenen Entscheidungsprozesse genutzt werden. Hierzu gehört beispielsweise die Beantwortung folgender Fragen:
1.Welche Steuerungssegmente nutzen wir derzeit im Aktiv-Passiv-Bereich?
2.Welche Risiko-Chancen-Informationen können wir daraus ableiten?
3.Welche zusätzlichen Segmente müssen wir betrachten?
4.Kennen wir unsere wertschöpfenden und wertvernichtenden Anlagen, Produkte, Projekte und Prozesse?
5.Kennen wir den Finanzbedarf und das wirtschaftliche Ergebnis aus unseren verschiedenen Investitionsarten (gesetzliche, Ersatz-, Erhaltungs-, Erweiterungs-, Verbesserungs-, Rationalisierungs- und Innovationsinvestitionen) nach den verschiedenen Szenarien (optimistisch, realistisch, pessimistisch)?
6.Welche Erwartungen haben unsere Eigentümer an den wirtschaftlichen Erfolg unseres Unternehmens?
7.Welchen Eigenkapitalbedarf (= Finanzierungsmöglichkeiten) haben wir in den nächsten Jahren und wie können wir ihn decken?
8.Kennen wir zu den Informationen aus dem Rechnungswesen (Aktiva, Passiva, Erträge, Aufwendungen) die Vorsteuerungsgrößen in nicht-monetären Größen (Stückzahlen, Zeitbedarf, Preise)?
9.Haben wir für bestimmte kritische Situationen Managementregeln aufgestellt und überprüfen diese regelmäßig?
Ein Ergebnis:
Das APM-Bilanzmodell
Die gegenwärtige Finanzkrise zeigt, dass stochastische Modelle alleine nicht vor Schieflagen schützen. Risikomodelle transparent zu gestalten und damit die Grundlage zum allgemeinen Verständnis zu schaffen, gehört heute zum A und O eines guten Asset-Liability-Managementprozesses. Der Arbeitskreis Aktiv-Passiv-Management unter der Leitung von Prof. Dr. Kirchner hat deshalb einen multideterministischen Ansatz entwickelt, der sowohl der Transparenz wie der Bilanzprojektion dient. Damit wird die Allokation aller Assetklassen an der Bilanz festgemacht und basiert nicht nur auf rein ökonomischen Grundsätzen. Auf der anderen Seite können Extremszenarien gefahren werden, die in der Gewichtung deutlicher als in einem 20.000-mal-Würfeleinsatz zur Geltung kommen. Was passiert, falls eine übermäßig starke Stornowelle aufgrund von Massenarbeitslosigkeit auf die Versicherer zurollt? Was passiert, falls wir eine Hyperinflation sehen sollten? All dies sind Szenarien, die der genaueren Untersuchung bedürfen.
Gleichzeitig bietet das Modell die Möglichkeit, sich schon heute auf eine IFRS-Steuerung einzustellen. Zwar sind die neuen Prinzipien einer zweifelhaften Fair-Value-Bilanzierung noch nicht klar, doch der Arbeitskreis sorgt gerade durch Input von diversen anderen Arbeitsgremien (EFRAG, CEIOPS, GDV) dafür, hier immer eine aktuelle Sicht einzubringen. So können zum Beispiel die versicherungstechnischen Rückstellungen auch mit der reinen risikofreien Kurve und nicht mit der SWAP-Kurve abgezinst werden, wie es derzeit für QIS 5 diskutiert wird.
Aufbau und Anwendung
des Bilanzmodells
Das Standardbilanzmodell des Arbeitskreises (als xALM bezeichnet) hat technisch und fachlich eine klare Struktur. Das Kernstück der Aktiv-Passiv-Management-Simulationsanwendung ist die Geschäftslogik, in der alle für die Simulation relevanten Berechnungsvorschriften abgelegt sind. Fachlich separate Themen wie die Simulation von Kapitalmärkten oder die unternehmensinterne Kosten- und Ertragsentwicklungen sind in eigenen Komponenten umgesetzt. Die Geschäftslogik ist in zwei große Teilbereiche aufgeteilt:
▷Marktmodell,
▷Unternehmensmodell.
Im Marktmodell werden unterschiedliche Beziehungen auf dem Kapitalmarkt abgebildet. Die Entwicklung von Zinsstrukturkurven beziehungsweise die Entwicklung von Aktien- und Anleihemärkten ist so abgebildet, dass die Simulation der Wertentwicklung des Kapitalanlageportfolios ermöglicht wird. Das Marktmodell bildet somit Sachverhalte ab, die den Markt unabhängig vom Unternehmen beschreiben.
Im Gegensatz dazu stellt das Unternehmensmodell Gegebenheiten dar, die von der Geschäftsführung direkt oder indirekt gesteuert werden können. Um den komplexen Sachverhalten eines Versicherungsunternehmens Rechnung zu tragen, sind einzelne Bereiche innerhalb des Unternehmensmodells nochmals in spezielle Komponenten zerlegt:
▷Bestandsmodell,
▷Bilanzierungsmodell,
▷Anlagemodell,
▷Managementmodell,
▷Auswertungsmodell.
Die Modellierung orientiert sich an Aktiv- und Passivseite der Bilanz eines Versicherungsunternehmens. Sowohl Aktiva (hier vornehmlich das Anlageportfolio) als auch relevante Passiva (versicherungstechnische Rückstellungen) sind in eigenen Bereichen abgebildet.
Ein eigenes Managementmodell bietet die Möglichkeit, ein allgemeines und ein individuelles Regelwerk festzulegen, welches bei der Simulation berücksichtigt wird. Das sind die Managementregeln, die beachtet werden müssen (Gesetze, Verordnungen, Finanzaufsicht) oder beachtet werden sollen (unternehmensindividuelle Regeln des Vorstandes).
Durch ein zentrales Auswertungsmodell ist der Anwender in der Lage, die Unternehmenssituation mittels aussagekräftiger Auswertungen zu analysieren. Hier stehen alle bekannten Möglichkeiten der verwendeten Oberflächen (Tabellen, Grafiken) zur Verfügung.
Die Steuerung erfolgt über eine grafische Oberfläche. Die Anwender verlassen somit nicht ihre gewohnte Welt einer maus- und menügesteuerten Anwendung. Innerhalb dieser Dialoganwendung können verschiedene Aktionen durchgeführt werden. Dazu zählen:
▷Verwaltung unterschiedlicher Mandanten (um in einer Konzernstruktur mehrere Tochterunternehmen innerhalb einer Anwendung betrachten zu können).
▷Steuerung der Simulationen (Zusammenstellen von Szenarien, Starten von Simulationsläufen).
▷Analyse von Ergebnissen.
Die Installation der Anwendung erfolgt unkompliziert durch einfache Extraktion. Dabei sind lediglich Schreibrechte in dem Installationsverzeichnis notwendig. So ist beispielsweise auch eine Installation auf einem Netzlaufwerk möglich. Administrationsrechte sind somit weder bei der Installation noch beim Betrieb der Anwendung notwendig.
Für den Aktiv-Passiv-Managemententscheidungsprozess ist nicht nur das Ergebnis einer Simulation wichtig, sondern auch das Verständnis über dessen Entstehung und die Zusammenhänge, aus denen sich das Resultat ergibt. Die xALM-Anwendung geht dabei einen vollkommen neuen Weg. Dem Anwender wird die Möglichkeit gegeben, Zusammenhänge und Berechnungsvorschriften der Geschäftslogik nicht nur zu betrachten, sondern selbst auch nachvollziehen zu können. Um dies zu ermöglichen, basiert die Implementierung auf der „xAlerator“-Spreadsheet-Technologie, die mittels Microsoft Office Excel angezeigt werden kann.
Anwender schätzen bei Excel die bekannte Umgebung, da ihnen mit der Formelsammlung ein mächtiges Werkzeug zur Verfügung steht. Die Transparenz der Arbeitsmappen erlaubt auf einfache Weise, die Berechnungslogik nachzuvollziehen. Leider unterliegen diese beliebten Tabellenlösungen gewissen Einschränkungen, die einen Einsatz dieser Methodik für komplexere Probleme oft nicht zulassen. Die immer wieder erforderliche Anpassung an veränderte Ausgangsdaten sowie die bei zunehmender Größe schnell unübersichtlich werdenden Arbeitsmappen sind nur zwei der sich ergebenden technischen Probleme.
Mit dem „xAlerator“ der für die Programmierung des Bilanzmodells betrauten Firma xapio steht dem Anwender eine Technologie zur Verfügung, die diese Lücken schließt, indem die Tabellenanwendung von Microsoft Office Excel mit all den genannten Vorzügen um einige grundlegende Basiskonzepte erweitert wird:
▷flexible Datenverarbeitung,
▷Komponentenbildung,
▷Berechnung am Beispiel.
Innerhalb der xALM-Anwendung kommen die Vorteile der „xAlerator“-Technologie voll zur Geltung. Eine Aktiv-Passiv-Managementanwendung muss den Anspruch erfüllen, ein Versicherungsunternehmen nicht nur in bestimmten Teilbereichen, sondern als Ganzes zu betrachten. Auch wenn der Detaillierungsgrad der Informationserfassung variieren kann, fällt eine Menge von Daten und Informationen an, die erfasst und verarbeitet werden müssen. xALM bietet den Anwendern die Möglichkeit, die Daten extern in eigenen Arbeitsmappen zu erfassen, um sie danach in die Anwendung zu importieren. Dort werden sie in der integrierten Datenbank abgelegt. Diese Vorgehensweise bietet einen entscheidenden Vorteil. Die Datenerfassung wird möglich, ohne über einen direkten Zugang zu der Anwendung verfügen zu müssen. Gerade im Zuge eines Aktiv-Passiv-Managementprozesses werden Daten aus unterschiedlichen Abteilungen eines Versicherungsunternehmens benötigt. Aktuariat, Rechnungswesen und Kapitalanlage erhalten die Möglichkeit, ihre speziellen Informationen unabhängig voneinander in den Arbeitsmappen einzutragen.
Excel-Lösungen sind vor allem deswegen beliebt, weil Probleme schnell und einfach mittels Formeln beschrieben und gelöst werden können. Dabei bleibt die Berechnung jederzeit nachvollziehbar. Probleme stellen sich dann ein, wenn komplexere Aufgaben zu lösen sind, zu der eine Aktiv-Passiv-Managementsimulation zweifellos zu zählen ist. Eine Möglichkeit zur Lösung komplexer Probleme ist die Modularisierung. Das heißt, Probleme werden in kleinere Teilprobleme zerlegt. Die „xAlerator“-Technologie macht dies nun auch für Microsoft Excel möglich. Die Geschäftslogik von xALM ist wie bereits zuvor erläutert in mehrere Komponenten aufgeteilt. Dies macht die Anwendung nicht nur strukturierter und übersichtlicher, auch Aktualisierungen, wie sie etwa nach neuen gesetzlichen Vorschriften notwendig werden, können durch einfaches Auswechseln oder Aktualisieren betroffener Komponenten schnell durchgeführt werden.
Transparenz und Nachvollziehbarkeit sind in Zukunft nicht nur wünschenswert, sondern werden auch von der Finanzaufsicht gefordert (siehe MaRisk VA). Dies muss nicht nur für die Berechnungsergebnisse, sondern auch bereits für die Berechnungsverfahren an sich gelten. xALM fördert das Verständnis für die Aktiv-Passiv-Managementsimulation durch das Basiskonzept „Berechnung am Beispiel“. An wenigen Beispielzeilen kann der Anwender die Algorithmen nachvollziehen, die in der Anwendung dann für immer wieder unterschiedliche Ausgangsdaten angewendet werden können. Die Art und Weise der Berechnung bleibt jedoch immer die Gleiche. So stellt die Beantwortung der Frage „Wie kommen Sie zu dem Ergebnis“ in Zukunft kein Problem mehr dar.
Individuelle Gestaltung
xALM ist bei der Auslieferung „vollständig“, das heißt, die Anwendung verfügt über eine volleinsatzfähige Geschäftslogik. Die „xAlerator“-Technologie ermöglicht allerdings nicht nur die Analyse und das Nachvollziehen der implementierten Algorithmen, sondern bietet auch die Möglichkeit, unternehmensindividuelle Richtlinien in die Anwendung zu integrieren. Jede Geschäftsführung entwickelt ein eigenes Regelwerk zur Steuerung des Unternehmens. xALM bietet nun eine Möglichkeit, auf einfache und bekannte Weise eigene Vorgaben in das Programm zu integrieren. Dazu ein Beispiel: Betrachtet werden soll folgende Managementregel:
Wenn die freie RfB einen Anteil von x Prozent überschreitet, dann ist eine Zwangsausschüttung insgesamt in Höhe des überschießenden Betrages an die Versicherungsnehmer vorzunehmen.
Für die Implementierung sind zunächst Vorüberlegungen zu treffen und eine Berechnungsvorschrift ist zu überlegen, die die genannte Managementregel umsetzt:
1. Struktur der RfB
Als Erstes ist der grundsätzliche Aufbau der Bilanzposition „Rückstellung für Beitragsrückerstattung“ zu klären. Die gesamte RfB lässt sich dabei in vier Bereiche unterteilen:
▷Einen Teil für festgelegte laufende Überschussanteile.
▷Einen Teil für festgelegte Schlussüberschussanteile (= SÜA).
▷Einen Teil für gebundene Schlussüberschussanteile.
▷Die freie RfB.
2. Berechnungsvorschrift für eine maximal mögliche freie RfB
Der Wert x Prozent gibt den maximalen Anteil der freien RfB an der Gesamt-RfB an. Unter der Annahme, dass die restlichen Positionen der Gesamt-RfB konstant bleiben, lässt sich die maximal mögliche freie RfB ermitteln durch:
freie RfB (max) = gesamte RfB • x
freie RfB (max) = [festgelegte lfg ÜA + festgelegte SÜA + gebundene SÜA + freie Rfb (max)] • x
freie RfB (max) = (festgelegte lfd ÜA + festgelegte SÜA + gebundene SÜA) • 1-x
Ist der Istwert der freien RfB größer als der mit der aufgeführten Formel errechnete Sollwert, wird der Unterschied dieser beiden Werte aus der RfB entnommen.
Durch die Vorüberlegungen ist eine mathematische Beschreibung der Managementregel durch Formeln entstanden. Dank der auf Formeln basierenden Tabellentechnologie von Excel müssen die soeben bestimmten Algorithmen nun einfach nur übertragen werden.
Mit Hilfe der „xAlerator“-Technologie kann diese Berechnungsvorschrift leicht ohne Programmieraufwand in die bestehende Aktiv-Passiv-Managementanwendung integriert werden. Dank der Möglichkeit der Komponentenbildung kann der beschriebene Algorithmus so integriert werden, dass beispielsweise für jedes einzelne geplante Jahr jeweils eine Simulation erfolgt. Der Algorithmus wird dann mit den zum jeweiligen Ausführungszeitpunkt gültigen Werten für die RfB-Struktur (diese werden in der Simulation bestimmt) berechnet.
Genauso wie auf diese Weise sichergestellt ist, dass die freie RfB nicht zu groß werden kann, können beliebige andere Managementregeln entwickelt und integriert werden. Auf einfache, verständliche und vor allem nachvollziehbare Weise lassen sich so selbst komplexe Richtlinien umsetzen. Für das Unternehmen elementare individuelle Vorschriften müssen somit nicht länger in Simulationen und Prognosen unberücksichtigt bleiben.