Interview zum Thema „Beschleunigte Prozesse mit BRMS in der Versicherungswirtschaft“

Wie lässt sich die Zukunft von Versicherern regeln?

 
Heft 4/2009
 
Wie lässt sich die Zukunft von Versicherern regeln?
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vb sprach mit Thorsten Ripper, Vertriebsleiter ILOG bei IBM Deutschland.
ILOG, IBM Software Group

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ILOG, IBM Software Group

Die steigende Kunden- und Kostenorientierung führt dazu, dass Versicherungsunternehmen ihre Geschäftsprozesse in vielen Bereichen überdenken müssen. Auch hinsichtlich neuer Richtlinien wie Solvency II stehen sie vor der strategisch wichtigen Herausforderung, ihre IT-Systeme innerhalb enger Zeitfenster an die neuen Vorgaben anzupassen. Wie aber können Versicherungsunternehmen ihre Prozesse automatisieren und dabei gleichzeitig flexibel genug gestalten, um schnell auf sich ändernde Rahmenbedingungen reagieren zu können?

? Herr Ripper, laut Branchenexperten stehen für Versicherungsunternehmen in den nächsten Jahren vor allem drei Aspekte im Vordergrund: Compliance, Flexibilität und Kundenorientierung. Was können Versicherer tun, um diese Voraussetzungen langfristig zu erfüllen?

Thorsten Ripper: Versicherer sollten diese Herausforderungen als Anstoß nehmen, um ihre vorhandenen Technologien und IT-Systeme genauer unter die Lupe zu nehmen. Mit flexibleren Systemen können sie schneller auf die Anforderungen des Marktes und ihrer Kunden eingehen und ihnen entsprechend individuelle Angebote machen. Doch um dies zu gewährleisten, müssen die IT-Systeme und die Technologie der Versicherungen zu großen Teilen modernisiert werden. Diese Modernisierung sollte beim Kern von Geschäftsprozessen beginnen bei den so genannten Geschäftsregeln.

? Was genau sind Geschäftsregeln und welche Rolle spielen sie im Tagesgeschäft eines Versicherungsunternehmens?

Thorsten Ripper: Geschäftsregeln liegen den Abläufen in Unternehmen zu Grunde und steuern als Geschäftslogik die Prozesse. Sie bestimmen die in einem Geschäftsprozess zu treffenden Entscheidungen. Bei Versicherern lässt sich die große Bedeutung dieser Regeln am Beispiel von Schadenprüfungen verdeutlichen. Hier können Geschäftsregeln sowohl bei der automatisierten Entscheidungsunterstützung, der Zuweisung von Schadenmeldungen an die zuständigen Mitarbeiter helfen als auch bei deren Bearbeitung und der Erkennung von Betrugsmerkmalen. Hat ein Antragsteller beispielsweise in einem festgelegten Zeitraum eine Hausratversicherung abgeschlossen und nimmt diese in den folgenden Monaten häufiger in Anspruch, als dies die internen Vorgaben der Versicherung erlauben, kann die Auszahlung von Geldern bis zu einer gesonderten Prüfung zurückgehalten werden. Ein weiteres Beispiel für den großen Einfluss von Geschäftsregeln sind Verkaufsberatungen. Sucht ein Kunde beispielsweise nach der für ihn richtigen Versicherung, sind es die Geschäftsregeln, die es dem Berater erlauben, auf Grundlage von Einflussfaktoren wie Alter, Familienstand oder anderen persönlichen Kriterien das passende Angebot zu finden.

? So viel also zur Kundenorientierung. Und wie verhelfen Geschäftsregeln einem Versicherungsunternehmen zu mehr Flexibilität?

Thorsten Ripper: Spezielle IT-Lösungen auf Basis leistungsfähiger Geschäftsregel-Managementsysteme, auch Business-Rule-Management-Systeme (BRMS) genannt, können Arbeitsprozesse effizienter und flexibler gestalten. Mit BRMS können Anwender Regeländerungen wesentlich schneller umsetzen, als dies in den traditionellen Entwicklungs- und Freigabezyklen bisher möglich war. Die Grundidee eines anspruchsvollen BRMS ist, die Fachanwender aktiv an der Regeleingabe und -veränderung zu beteiligen. Sie können selbst Regeln definieren, eingeben und testen. Neue Anforderungen oder Vorgaben können so zunächst separat beschrieben und festgelegt werden, ohne das gesamte System und damit kritische Geschäftsprozesse zu unterbrechen. Versicherungen können dadurch beispielsweise neue Preismodelle jederzeit flexibel umsetzen, ohne die regelmäßigen Aktualisierungszyklen der Software abzuwarten.

? Helfen Geschäftsregel-Managementsysteme denn auch dabei, interne und externe Vorgaben einzuhalten, also die Compliance eines Unternehmens zu gewährleisten?

Thorsten Ripper: Das Thema Nachvollziehbarkeit spielt eine große Rolle, wenn es um die Einhaltung von Compliancebestimmungen geht. Nicht nur im Krisenfall kommt es dem Ruf eines Versicherungsinstitutes zugute, wenn es mit einer transparenten Entscheidungshistorie und lückenlosen Berichten aufwarten kann. Mithilfe eines Geschäftsregel-Managementsystems lässt sich innerhalb weniger Minuten der historische Verlauf einzelner Geschäftsregeln oder ganzer Regelsätze abbilden. Auf diese Weise können Versicherungen die von Behörden oder unternehmensinternen Compliancegremien geforderte Prozesstransparenz schnell erfüllen.