Interview zu Solvency II mit Dr. Hubert Sterner, metafinanz Informationssysteme

Solvency-II-Projekte rechtzeitig planen

 
Heft 2/2010
 
Solvency-II-Projekte rechtzeitig planen
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Dr. Hubert Sterner, Leiter
Business Consulting Insurance, metafinanz
Informationssysteme.

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metafinanz Informationssysteme GmbH

Die EU-Versicherungsreform verlangt eine Modernisierung in Mathematik, Prozessen und IT. Wie man sich auf diese Herausforderungen am besten vorbereitet, sagt Dr. Hubert Sterner.

Herr Dr. Sterner, welche Aus-
wirkungen wird Solvency II auf die Versicherungsbranche haben und wie ist der aktuelle Stand bei der Umsetzung der Regulierungsvorschriften?

Dr. Hubert Sterner: Mit Solvency II strebt die EU-Kommission eine stärkere Regulierung der Versicherungsbranche an. Die ab 2013 geltenden einheitlichen Regeln sollen branchenweit für mehr Transparenz und eine höhere Finanzstabilität sorgen. Derzeit läuft noch der Prozess zur Ausgestaltung, an dem der Ausschuss der europäischen Versicherungsaufsichtsbehörden
(CEIOPS), gemeinsam mit den Unternehmen beteiligt ist, um Vorschläge zur technischen Umsetzung von Solvency II zu erarbeiten.

Auch unter dem Eindruck der anhaltenden Finanzkrise wurden zuletzt einige Modellansätze überarbeitet, insbesondere das versicherungstechnische und Katastrophenrisiko Nichtleben sowie die Bestimmung des benötigten Minimum-Solvenzkapitals (MCR).

Hochaktuell ist die Diskussion über die Beachtung einer „Liquiditätsprämie“. Diese soll den Mismatch zwischen Assets und Liabilities verringern und insbesondere in Krisenzeiten helfen, Risiken, die beispielsweise aus einem veränderten Stornoverhalten der Kunden resultieren, zu mindern.

Was müssen Versicherungsunternehmen tun, um sich für Solvency II zu rüsten?

Dr. Hubert Sterner: Um Solvency-II-Konformität zu erreichen, müssen Unternehmen einen erheblichen Aufwand für Datenermittlung, die Abbildung von Modellen und eine Anpassung der IT-Architektur einplanen. Es wird unumgänglich sein, Ziele wie ein übergreifendes Datenmanagement, integrierte aktuarielle Rechenmodelle sowie ein regelmäßiges, automatisiertes Reporting mittelfristig anzustreben.

Zur Vorbereitung auf Solvency-Projekte können Versicherer ab Juni die EU-weite Feldstudie
QIS 5 nutzen, um die Quantifizierung des Solvenzkapitals zu testen. Mit den Ergebnissen lassen sich die angestrebten Modelle kalibrieren und bereits laufende Solvency-Projekte an die neuen Anforderungen anpassen.

Spätestens parallel zur Teilnahme an QIS 5 sollten alle Versicherer entsprechende Projekte in die Wege leiten. Wer nämlich ab 2013 weder das Solvenzkapital quantifizieren, noch die notwendigen Berichte erstellen kann, riskiert ein Eingreifen der Versicherungsaufsicht. Einen Vorteil haben hierbei Unternehmen, die MaRisk umfassend umgesetzt haben, weil diese die qualitativen Solvency-Anforderungen aus Säule II weitgehend erfüllen sollten.

Wie sieht der Projektablauf eines Solvency-II-Projekts aus und was ist dabei besonders zu beachten?

Dr. Hubert Sterner: Die Einführung von Solvency II erfordert einen interdisziplinären Projektansatz, bei dem die IT-Implementierung unverzichtbar ist. Dabei gilt es, fachliche Aspekte frühzeitig in technologische Konzepte zu übersetzen. Besonderes Augenmerk ist in einem Projekt auf eine qualitativ angemessene personelle Besetzung zu legen.

Angesichts der Komplexität sollten Unternehmen auch eine mögliche Überbelastung ihrer Ressourcen im Auge behalten. Immerhin erfordert eine Solvency-II-Einführung die Mitwirkung einer breitgefächerten Expertenriege, die sich von Risikocontrollern über Aktuare, Prozessberater, IT-Spezialisten bis hin zu Wirtschaftsprüfern erstreckt. Integriert man diese verschiedenen Akteure nicht von Anfang an zielgerichtet, stellt sich schnell ein ineffektiver Overhead ein und das Tagesgeschäft kann
leiden.

Welche Unterstützung können Sie den Unternehmen auf diesem Gebiet anbieten?

Dr. Hubert Sterner: Basierend auf Erfahrungen aus Risikomanagement-Projekten haben wir einen mehrstufigen Solvency-II-Beratungsansatz entwickelt. Wir empfehlen fünf Implementierungsschichten, die in koordinierter Form in der Organisation zu verankern sind – angefangen bei Governance über Risikomanagement, Prozessmanagement und Datenmanagement bis hin zu IT-Management.

Kunden erhalten dabei Unterstützung in den Bereichen Finanz- und Versicherungsmathematik, Anpassung der Systeme zur Risikoberechnung sowie bei der Steigerung der Datenqualität für das interne und externe Reporting. Zu den weiteren Leistungen zählen Actuarial Services, Business-Intelligence und technologie-übergreifende Architekturberatung und Implementierung.

Der Nutzen der Anwender beschränkt sich unserer Erfahrung nach übrigens nicht nur darauf, nach einem derartigen Projekt konform mit EU-Vorschriften zu gehen. Gewissermaßen als Nebeneffekt erhält ein Versicherungsunternehmen im Zuge eines Solvency-II-Projekts verbesserte Kontroll- und Steuerungsinstrumente – und diese können helfen, das Management des Eigenkapitals und in Konsequenz auch die Unternehmensrendite zu optimieren.

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