Interview mit Frank Schrills, geschäftsführender Präsident des BiPRO e.V.

Prozessagenda für mobile Zukunft

 
Heft 4/2011
 
Prozessagenda für mobile Zukunft
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Frank Schrills, geschäftsführender Präsident des BiPRO e.V.: „Wichtig ist, dass wir über die Mensch-Maschine-Kommunikation hinausdenken.“

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BiPRO e.V.

Wenn es um IT-Standards für die Versicherungsbranche geht, ist der BiPRO e.V. als Standardisierungsorganisation der Branche der zentrale Treiber. Nun nimmt sie auch mobile Endgeräte in den Fokus.

Mobile Endgeräte sind im Versicherungsvertrieb ein großes Thema. Wie reagiert BiPRO darauf?

Frank Schrills: Der Trend ist natürlich bei uns angekommen und unsere Mitglieder beschäftigen sich schon intensiv damit. Wir haben am letzten BiPRO-Tag im Mai 2011, wo ein Vortrag zum Thema gehalten wurde, viel Feedback erhalten. Unsere Mitglieder möchten, dass sich die Branche auch unter dem Aspekt „Prozessoptimierung“ mit mobilen Endgeräten beschäftigt. Daher nehmen wir das Thema erneut auf die Agenda unseres nächsten BiPRO-Tages am 8. Dezember 2011 auf.

Zeichnet sich schon ab, wie es dann weitergeht? Bilden Sie Arbeitsgruppen, um das Thema weiterzuvertiefen?

Frank Schrills: Im Dezember werden wir eingehend mit unseren Mitgliedern diskutieren und voraussichtlich jeweils eine fachliche und technische Arbeitsgruppe bilden. Es steht noch nichts fest, aber es gibt bereits Versicherer, die hier Interesse angemeldet haben. Das Thema ist sehr vielschichtig, man kann sich verschiedene Anwendungen vorstellen. Deshalb geht es zunächst einmal darum, den Scope festzulegen und nicht von Adam bis Eva zu diskutieren. Erst im Schritt danach werden entsprechende Normen gebildet – vielleicht noch 2012.

Nun sind mobile Endgeräte – insbesondere Smartphones ja in ihrer technischen Kapazität beschränkt. Inwiefern ist dies ein Hindernis für ihre Integration in BiPRO-konforme Geschäftsprozesse?

Frank Schrills: BiPRO setzt in seiner Architektur auf XML. Dieses Format ist zurzeit noch etwas zu „schwer“ für die mobilen Systeme. Nun muss man aber sehen, dass sich die Technik der Smartphones ständig verbessert und in einiger Zeit eventuell auch XML ohne Probleme unterstützen kann.

Für den Fall, dass dem nicht so ist, müsste man diskutieren, ob auch auf schlankere Formate ausgewichen werden kann. Hier müssen wir aber erst einmal das Interesse der Mitglieder ausloten, schließlich sind HTML und XML gesetzte Formate für die Unternehmen.

Trotz Verbesserung der Hardware werden aber die Displays der Smartphones nicht unbedingt größer. Wie viel BiPRO-Service werde ich auf meinem Mobilgerät denn schlussendlich umsetzen können?

Frank Schrills: Natürlich können Sie stationäre Anwendungen nicht genau übertragen. Denken Sie da zum Beispiel an die Tarifierung, die ist auf einem 2-Zoll-Bildschirm einfach nicht umsetzbar und der Großteil der User würde das auch nicht akzeptieren. Deshalb müssen wir hier genau überlegen: Welche Prozesse wollen wir integrieren? Und wo können wir abspecken? Man muss hier aber unterscheiden zwischen Prozessen zum Endkunden und Prozessen zum Vermittler. Bei den Endkunden dreht es sich vorrangig um Smartphones, die Vermittler nutzen dagegen oft Tablett-PC`s. Da sieht die Situation schon ganz anders aus.

Auf der anderen Seite bieten mobile Geräte auch neue Technologien wie GPS-Funktionen oder die E-Signatur, die neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen. Wo sehen Sie hier den größten Bedarf für neue Prozessstandards?

Frank Schrills: Es sind verschiedene Dinge denkbar. Wenn ich Ihnen jetzt eine Liste nenne, zäumen wir aber das Pferd von der falschen Seite auf. Wir von BiPRO stellen die Rahmenbedingungen und Diskussionsplattformen dar, damit sich solche Dinge entwickeln können. Es ist aber nicht unsere Aufgabe, Vorgaben zu machen. Der Markt wird diese Dinge regulieren und zeigen, was wertschöpfend ist. Je nachdem, für welche Anwendungen die Marktteilnehmer sich dann entscheiden, kommen die Technologien zum Einsatz. Und dann wird sich auch herauskristallisieren, wie zum Beispiel die GPS-Informationen genutzt werden: ob im Micropayment oder bei besonderen Versicherungsprodukten.

Gutes Stichwort: Welche neuen Versicherungsprodukte werden sich durch die mobilen Endgeräte etablieren?

Frank Schrills: Ich sehe da in erster Linie Microinsurance-Produkte. Ein Versicherer könnte seinen Kunden zum Beispiel kurzfristige Sonderversicherungen über das Smartphone anbieten, etwa wenn sie in den Skiurlaub fahren. Auch bei Schadenprozessen ist der Einsatz mobiler Endgeräte denkbar. Wichtig ist, dass wir dabei über die Mensch-Maschine-Kommunikation hinausdenken. Mithilfe von Geoinformationen könnte man Anwendungen schaffen, mit denen Verbraucher nur noch zustimmen müssen – die übrigen Prozesse laufen dann im Hintergrund ab.

Wenn Mobilität so viele Änderungen bewirkt, wird sich die Prozessoptimierung dann in Zukunft vorwiegend auf mobile Endgeräte fokussieren müssen?

Frank Schrills: Die Gesellschaft und ihre Informationsprozesse werden immer allgegenwärtiger. Die mobilen Endgeräte jeglicher Couleur sind dabei natürlich ein wichtiger Baustein, denn ohne sie reicht diese Allgegenwärtigkeit ja nur von der einen „Internetbuchse“ bis zur nächsten.

Ich glaube aber auch, dass wir irgendwann an einen Punkt kommen werden, wo wir zwischen mobilen und stationären Geräten gar nicht mehr unterscheiden müssen. Die Informationen werden über Wireless Communication verfügbar gemacht – der Rest spielt dann eine untergeordnete Rolle.

Wo sehen Sie in Zukunft die größte Herausforderung bei der Prozessintegration mobiler Endgeräte?

Frank Schrills: Die zentrale Herausforderung wird es sein, die neuen Möglichkeiten mobiler Endgeräte mit einer gewissen Nachhaltigkeit zu verbinden. Wir reden ja hier über Prozessketten, die sich über verschiedene Geräte und Großsysteme hinweg erstrecken. Diese müssen kostenbewusst miteinander verbunden werden. Schließlich können die Versicherer nicht alle drei Monate neue Formate, neue Prozesse einführen. Auch nutzt es nichts, wenn die Prozessanbieter nicht mehr hinterherkommen. Diese Balance muss die Assekuranz finden – und sie wird sich dann auch in der Prozessoptimierung der BiPRO widerspiegeln.

Das Interview führte Markus Schulze Wehninck.

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