Interview mit Rüdiger Azone und Dr. Hans Zierer

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Heft 2/2009
 
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Rüdiger Azone ist Vorstand für Banken und Versicherungen bei Capgemini sd&m.

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Capgemini sd&m

Der Softwaredienstleister Capgemini sd&m hat die ersten sechs Monate unter seinem neuen Markennamen hinter sich. Am 1. Oktober 2008 hatte sich sd&m mit der SAP-Sparte seines Mutterkonzerns Capgemini zusammengeschlossen. Im Interview mit versicherungsbetriebe erläutern Rüdiger Azone, Vorstand für Banken und Versicherungen, sowie Dr. Hans Zierer, Mitglied der Geschäftsleitung, die Beweggründe für den Zusammenschluss und das daraus resultierende, erweiterte Leistungsspektrum für die Versicherungswirtschaft.

? Was hat Sie dazu bewogen, Ihre bisherige bekannte Marke sd&m zu ersetzen?

Rüdiger Azone: Die sd&m AG gehörte bereits seit 2001 als 100-prozentige Tochter zu Capgemini, trat aber primär unter der eigenen Marke am Markt auf. In mehr als 25 Jahren haben wir uns eine starke Position im Bereich Individualsoftware-Entwicklung und IT-Beratung erarbeitet. Nun sind wir gemeinsam mit der Capgemini SAP Business Solutions stärker als bisher in der Lage, unseren Kunden auch Systemintegration und Prozesswissen sowie die Leistungen des internationalen Capgemini-Netzwerkes einschließlich der Offshoremöglichkeiten aus einer Hand anzubieten.

? Welche Auswirkungen hat die neue Aufstellung auf Ihr Leistungsangebot für Versicherungen?

Dr. Hans Zierer: Auch in der Versicherungswirtschaft werden zunehmend geschäftskritische IT-Systeme auf Basis bereits vorhandener Konzepte und insbesondere unter Nutzung von Standardkomponenten in Integrationsprojekten erstellt. Wir bedienen nun den gestiegenen Marktbedarf an integrierten Lösungen aus Individual- sowie Standardsoftware in der Breite.

? Wie planen Sie, in der als schwierig geltenden Versicherungsbranche in Deutschland das Neugeschäft zu generieren?

Rüdiger Azone: Derzeit nehmen unsere Kunden im Versicherungsbereich primär unsere technologische Kompetenz war. Bei unseren Großkunden wie zum Beispiel Münchener Rück und AOK sind wir strategische Partner, wobei unsere fundierte fachliche Expertise im Underwriting oder in den Leistungsprozessen eine wesentliche Rolle spielt. Altersvorsorge, Risikomanagement und regulatorische Anforderungen zählen zu unseren Schwerpunkten im Finanzsektor. Für Erstversicherungen sind auch Enterprise Architecture- und Multi-Distributions-Management besonders relevant. Unsere Strategie ist es, dieses Leistungsportfolio auszubauen und dadurch in Verbindung mit unserer bekannten Kompetenz als sehr zuverlässiger Softwaredienstleister für qualitativ hochwertige, geschäftskritische Anwendungen weitere Kunden zu gewinnen. Im Bereich Systemintegration werden wir dabei auch verstärkt mit Partnern zusammenarbeiten.

Dr. Hans Zierer: Mittelpunkt unseres Leistungsportfolios ist die InsuranceArchitecture. Sie ist ein Ordnungsrahmen zur Strukturierung von Geschäftsabläufen und dient als Orientierungshilfe für die Veränderungsprozesse in einem Versicherungsunternehmen. Mit ihr haben wir eine gute Basis, gemeinsam mit unseren Versicherungskunden ihre Anwendungslandschaften zu gestalten.

? Wo sehen Sie aktuell die Herausforderungen der deutschen Versicherungswirtschaft?

Rüdiger Azone: Ein intensiver Verdrängungswettbewerb und die Reregulierung des Gesetzgebers verstärken den Handlungsbedarf hinsichtlich Industrialisierung und Prozessoptimierung. Gewinner werden die Unternehmen sein, die Effizienzsteigerung in den Backoffice- und unterstützenden Prozessen mit Differenzierung in den kundennahen Bereichen verbinden können. Technologische Entwicklungen wie beispielsweise integrierte Lösungen für die Bearbeitung von Anrufen, Briefen, Fax und E-Mail schaffen die Voraussetzung, um einerseits Kostenvorteile im Betrieb und durch Shared-Service-Center zu realisieren und gleichzeitig verbesserte Leistungsangebote im Vertrieb oder im Schadenmanagement zu entwickeln. Hier können wir mit unserer Beratungs- und Umsetzungserfahrung individuelle Lösungen konzipieren, in denen dann unterschiedliche Softwarekomponenten integriert werden.

? Wie sehen Sie die Entwicklung im Bereich Standardsoftware für Versicherungen?

Dr. Hans Zierer: Auch bei den Anforderungen an IT-Systeme lässt sich die Notwendigkeit stärkerer Industrialisierung feststellen. Die Kriterien für „make or buy“ haben sich in den letzten Jahren weiter verändert. Bei deutschen Standardproduktanbietern ist eine zunehmende Konzentration zu beobachten; zugleich hat sich die Eintrittsbarriere für ausländische Anbieter von serviceorientierten Kernsystemen wie Bestand oder Schaden verringert. Weltweit operierende Systemintegratoren wie Capgemini sd&m sind in der Lage, den Markt der deutschen und ausländischen Anbieter zu überblicken, zu bewerten und so verstärkt Alternativen zur Eigenentwicklung anzubieten.

Zur Unterstützung der Finanz- und Supportprozesse wie Procurement oder HR werden heute nur noch ganz wenige Systeme individuell geschrieben. Hier hat sich in der Versicherungswirtschaft SAP als Standard durchgesetzt. Im Hinblick auf die Industrialisierung im IT-Bereich rücken Themen wie die Optimierung des Application-Managements teilweise auch gekoppelt mit Sourcingmodellen oder die wirtschaftliche Durchführung von Releasewechseln in den Vordergrund.


! Herr Azone, Herr Dr. Zierer, wir danken für dieses Gespräch!

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