Sie leiten eines der erfolgreichs ten IT-Unternehmen in Deutschland, das besonders auch die Assekuranz im Fokus hat. Welche Entwicklungen würden Sie als die bahnbrechenden der letzten Jahre bezeichnen?
Hans Zehetmaier: Die IT in der Assekuranz hat in den letzten Jahren viele neue Entwicklungen erfahren: Neben dem Internet sehe ich den SOA-Ansatz als bahnbrechend an. Er ist zwar noch jung, hat aber schon viel verändert und wird in Zukunft noch viel mehr verändern. Durch die Trennung von Prozessen und Services wird erstmals eine echte Business-Process-Flexibilität und Business-Process-Optimierung möglich. Daneben hat sich die Standardsoftware weiterentwickelt und wird in Zukunft auch in den Kernbereichen stärker eingesetzt werden.
Wie sehen Sie den Trend zur Globalisierung? Welchen Einfluss hat dies auf die IT und Organisation der Versicherungsunternehmen?
Hans Zehetmaier: Der Trend zur Globalisierung bleibt ungebrochen und hat einen wesentlichen Einfluss auf die IT und die Organisationen. Dieser Einfluss ist natürlich bei großen, international agierenden Versicherungsunternehmen und Rückversicherern größer als bei nationalen Playern. In seiner Folge werden zum Beispiel Sourcingmodelle eine ganz neue Rolle spielen.
Was erwarten Sie von der Assekuranz-IT in der Zukunft?
Hans Zehetmaier: Das Spannungsverhältnis zwischen Kostendruck und Wachstumserfordernissen ist für die gesamte Branche eine Herausforderung. Dabei spielt die Versicherungs-IT natürlich eine wichtige Rolle. Sie kann zunehmend zum Business Enabler und zentralen Wertschöpfungsfaktor werden, wenn sie Industrialisierung, Kundenzentrierung, Informationsmanagement sowie M&A als zentrale Zukunftstrends vorantreibt. Gepaart mit zunehmender Flexibilität bei Prozessen und Produkten kann sie dann auch mit dem aktuellen Speed of Change Schritt halten.
Wie geht es mit der Industrialisierung weiter? Gibt es eine Technologie, von der Sie sich besonders viel versprechen?
Hans Zehetmaier: Die Industrialisierung ist in vollem Gange. Sie ermöglicht eine höhere Effizienz in den Versicherungsunternehmen, verlangt aber auch nach neuen, übergreifenden Strukturen und Verantwortlichkeiten. Fachbereiche und IT müssen näher zusammenrücken und im Interesse neuer Kundenservice-Strategien und flexibel ablaufender Prozesse konsequent serviceorientierte Strukturen aufbauen. SOA-basierte Lösungen bieten hier eine Möglichkeit, Geschäftsmodelle flexibel an Veränderungen anzupassen und so entscheidende Wettbewerbsvorteile zu realisieren. So wird die Versicherungs-IT letztlich zum Treiber für Businessinnovationen.
Welche Rolle spielen die Bedürfnisse der Endkunden bei der Entwicklung neuer Lösungen? Wie profitieren die Endkunden?
Hans Zehetmaier: Das Versicherungsgeschäft lebt vom Service, deshalb spielt der Endkunde zu Recht eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung neuer Lösungen. Alle Strukturen müssen dazu beitragen, die Bedürfnisse der Kunden effizient zu erfüllen und auf Veränderungen schnell zu reagieren. Bei entsprechend optimierten Prozessen können Endkunden von individuelleren, auf sie zugeschnittenen Angeboten profitieren. Effizienzgewinne in der Verwaltung und Effekte in der Schadenregulierung können auch zu günstigeren Produkten führen. Gleichzeitig ermöglichen Multikanalfähigkeit und neue Medien wie beispielsweise Web-2.0-Technologien mehr Transparenz und kürzere Bearbeitungszeiten.
Welchen Rat geben Sie den IT-Verantwortlichen der Assekuranz, um die Unternehmen krisensicher in die Zukunft blicken zu lassen?
Hans Zehetmaier: IT-Verantwortliche sollten neben den Einsparpotenzialen immer auch die Chancen neuer Technologien sehen. Denn die IT ist dabei, sich vom Dienstleister zum Business Enabler zu wandeln. In diesem Zusammenhang bietet die IT viele Potenziale: Effizienzsteigerungen in Entwicklung und Integration, verstärkter Einsatz von Standardsoftware, erhöhte Business-Flexibilität etc. Auch wird die Multi-kanalfähigkeit der Lösungen eine immer größere Bedeutung gewinnen, vor allem in Hinsicht auf die sogenannten Hybridkunden. Abhängig vom Geschäftsmodell ist die Vorbereitung darauf unerlässlich. Innovation ist ein kontinuierlicher Prozess, der nie abgeschlossen ist. Wer das berücksichtigt und sich für sein Geschäftsmodell Partner mit echtem Branchen-Know-how sucht, wird von der IT immer profitieren.