Bereits seit einigen Jahren wird dem Software-as-a-Service-Modell – kurz SaaS – die Chance eingeräumt, dem traditionellen Softwarelizenzmodell früher oder später den Rang abzulaufen. Bei SaaS werden die Softwareanwendungen nicht mehr lokal auf dem Rechner oder im Firmennetz installiert und betrieben, sondern via Internet von einem Dienstleister als Service bezogen. Dieser kümmert sich dann auch um Betrieb und Wartung. Die Abrechnung erfolgt nutzungsabhängig.
Pro und Contra aus
Anwendersicht
Welche Argumente sprechen also für, welche gegen einen Einsatz von Softwarelösungen, die im SaaS-Modell angeboten werden? Die nachfolgenden Ergebnisse stammen aus einer Anwenderbefragung, die wir im SaaS-Forum seit 2006 regelmäßig durchführen.
Bei der Frage: „Welche Gründe sprechen aus Ihrer Sicht für den Einsatz einer SaaS-Lösung?“ geben Anwender am häufigsten die nachfolgenden Antworten:
▷Kostentransparenz/Flexibilität im Preismodell.
▷Keine eigenen zusätzlichen IT-Investitionen.
▷Fokussierung auf das eigene Kerngeschäft.
▷Zusätzliche Dienstleistungen des SaaS-Providers
Viele Unternehmen erkennen gerade in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation die Vorteile des SaaS-Modells in den Bereichen Kostentransparenz/Flexibilität im Preismodell. Bezahlt wird nur, was auch genutzt wird. Darüber hinaus sind beim SaaS-Modell keine zusätzlichen IT-Investitionen notwendig. Um den Betrieb der Anwendung und die dafür notwendige Infrastruktur kümmert sich ja der SaaS-Anbieter.
Für viele Unternehmen spielt außerdem die Fokussierung auf das eigene Kerngeschäft eine besondere Rolle. Die IT soll die Geschäftsprozesse unterstützen und nicht umgekehrt. Warum also nicht Softwareanwendungen von einem Dritten als Dienstleistung beziehen, anstatt sich selbst um Implementierung und Betrieb kümmern zu müssen.
Und darüber hinaus kann der SaaS-Kunde zusätzliche Dienstleistungen des Dienstleisters wie Datensicherung sowie die regelmäßige Wartung und Aktualisierung der Anwendung in Anspruch nehmen.
Nachteile des SaaS-Modells
aus Anwendersicht
Auf die Frage nach den Nachteilen des SaaS-Modells antworten Anwender:
▷Abhängigkeit vom Anbieter.
▷Scheu, Daten nach außen zu verlagern.
▷Rechtliche Fragen.
▷Fehlende Transparenz im Anbietermarkt.
An erster Stelle wird immer wieder die Abhängigkeit vom Anbieter genannt. Viele Anwender fürchten wohl, dass sie mit Vertragsunterzeichnung bei einem SaaS-Anbieter sämtliche Kontrolle verlieren – und zwar nicht nur über die eingesetzten Softwareanwendungen, sondern auch über die gesamte IT-Infrastruktur. Eng damit verbunden ist die Scheu, Daten nach außen zu verlagern, denn natürlich möchte kein Unternehmen die Hoheit über seine unternehmenskritischen Daten verlieren. Wie schnell Unternehmensdaten in falsche Hände geraten können, beweisen einige Beispiele der jüngsten Vergangenheit.
Die rechtlichen Fragen beziehen sich zum einen auf die so genannten Service Level Agreements (Dienstgütevereinbarungen, SLAs), die die Verfügbarkeit, Leistungsfähigkeit und Sicherheit der SaaS-Anwendung im Vertragsverhältnis zwischen SaaS-Anbieter und SaaS-Kunde regeln. Auf der anderen Seite müssen natürlich alle Fragen zur Verantwortung für Datenschutz und Datensicherheit vor dem Hintergrund zahlreicher gesetzlicher und standesrechtlicher Regelungen und Vorgaben geklärt werden.
Die fehlende Transparenz im Anbietermarkt hat sich in den letzten Monaten sicher etwas gebessert. Dennoch ist die Anzahl der im SaaS-Modell verfügbaren Lösungen im Vergleich zum traditionellen Softwaremarkt immer noch verschwindend gering. Der Lösungskatalog im SaaS-Forum (www.saas-forum.net/anwendungen) enthält gerade einmal knapp 200 Lösungen. Bei den meisten Unternehmen handelt es sich darüber hinaus um junge Unternehmen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit erst noch unter Beweis stellen müssen.
Fazit
Das Software-as-a-Service-Modell ist – zumindest in Deutschland – sicher noch weit davon entfernt, dem traditionellen Lizenzgeschäft den Rang abzulaufen. In einer Gartner-Studie des letzten Jahres gaben gerade einmal 45 Prozent der befragten Unternehmen an, SaaS-Anwendungen einzusetzen. Andere europäische Länder sind da schon weiter: In Frankreich waren es 71 Prozent, in Großbritannien 68 Prozent. Und so sagen viele Marktbeobachter dem SaaS-Modell auch in Deutschland weiteres Wachstum voraus. Dabei gehen nicht wenige Experten davon aus, dass die derzeitige wirtschaftliche Situation diesen Trend sogar unterstützen wird. Kosteneffizienz und -transparenz sowie die Möglichkeit, sich nicht selbst um Implementierung, Betrieb und Wartung einer Softwareanwendung kümmern zu müssen, werden dabei als Treiber für den Umstieg auf Software as a Service genannt.