Pro & Contra

Hat SaaS wirklich Zukunft?

 
Heft 1/2010
 
Hat SaaS wirklich Zukunft?
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Andreas Zilch: Vorstand und Lead Advisor der Experton Group AG. andreas.zilch@experton-group.com

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Experton Group AG

Software as a Service (SaaS) ist laut Wikipedia ein Software-Distributionsmodell, respektive ein Geschäftsmodell mit der Philosophie, Software als Dienstleistung basierend auf Internettechniken bereitzustellen, zu betreuen und zu betreiben. Wir fragten Experten: Hat dieses Modell Zukunft?

Software as a Service ist schon seit einigen Jahren ein heiß diskutiertes Thema im IT-Bereich – und in der ersten Phase um die Jahrtausendwende unter dem Begriff ASP (Application Service Provisioning) grandios gescheitert.

Aber die Zeiten haben sich geändert – sowohl IT-Anbieter wie IT-Anwender haben dazugelernt. Waren es im Jahr 2000 vorwiegend Start-ups mit guten Ideen, einigem an Venture Capital, aber wenig Erfahrung und Durchhaltevermögen, so sind jetzt die Großen der IT-Branche bei den Themen Cloud Computing und SaaS engagiert.

Auch die Anwender haben Erfahrungen gemacht und damit dazugelernt. War früher ein starkes Misstrauen gegeben, Daten und Applikationen „nach außen“ zu geben, so ist man heute viel aufgeschlossener und hat teilweise gelernt, dass professionelle SaaS mehr Sicherheit bietet als die internen IT-Ressourcen. Weiterhin zeigt die Erfahrung sehr gute Softwarequalität, Performance, Verfügbarkeit und Kostenparameter.

Allerdings: Eine SaaS-Lösung braucht ein richtiges Konzept, Architektur und Methoden. Ein weiteres Erfolgsmerkmal für SaaS-Lösungen ist – bei aller notwendigen Standardisierung – eine Offenheit gegenüber Individualisierungen und freien Entwicklern. Dies ist auch ein Erfolgsmerkmal des SaaS-Pioniers Salesforce.com, der diesem Konzept einen großen Teil seines Erfolges zu verdanken hat.

SaaS wird der Applikationsbereitstellungsmodus der Zukunft sein – Softwareanbieter werden sich diesem Trend anschließen oder untergehen.

Dies auch, weil für neue Wettbewerber im Softwaremarkt die Eintrittsbarrieren deutlich niedriger geworden sind. Man muss in der ersten Phase kein großes Vertriebsnetz aufbauen oder stark in die Infrastruktur investieren – vermarktet wird über das Internet, die Infrastruktur wird über Cloud Services bereitgestellt. Durch die damit größere Transparenz von guten Lösungen und die geringen Anfangsinvestitionen sind neue Anbieter den traditionellen Softwareunternehmen von den Voraussetzungen her sogar teilweise überlegen.

All dies führt zu einem Vorteil für die Anwender – aber auch zu einem rigorosen Auswahlprozess bei den Anbietern. Auch die Anbieterlandschaft wird also 2015 deutlich anders aussehen als heute.

Im Grunde ist das Prinzip von SaaS nicht neu. Das 1999 gegründete SaaS-Pionierunternehmen Salesforce.com zählt zu den am schnellsten wachsenden IT-Unternehmen weltweit. Auch in Studien wird SaaS als ein Megatrend erkannt.

Unterstellt man allerdings einen linearen Zusammenhang zwischen der Nachfrage nach SaaS und entsprechenden Suchanfragen in einer reichweitenstarken B2B-Softwaremarktübersicht wie SoftGuide.de mit hunderten von webbasierten Softwarelösungen, dann steigt die Nachfrage zu diesem Thema im deutschsprachigen Raum jedoch offensichtlich kaum an.

Eine Auswertung von rund 300.000 Suchphrasen im Jahr 2009 im Soft Guide Softwareführer hat zwar im Vergleich zu den Vorjahren einen leichten Anstieg der Suchbegriffe „SaaS“ oder „webbasiert“ ergeben, verbleibt aber weiterhin auf einem sehr geringen Niveau.

Was sind aus unserer Sicht – neben den grundsätzlichen Problemen in vielen Branchen wegen der Wirtschaftskrise die Gründe für die derzeit noch eher maue Nachfrage in Deutschland nach SaaS-basierten Lösungen?

Bereits beim klassischen Lizenzmodell bestehen Abhängigkeiten zu den Softwareanbietern (Schnittstellendokumentation, notwenige Updates, Support). Allerdings gibt es hier noch die Möglichkeit, vor Ort auf die Daten zuzugreifen oder die Software beziehungsweise den Anbieter zu wechseln. Durch SaaS steigt die Abhängigkeit von diesem Anbieter deutlich an. Inwieweit kann der Anbieter gewechselt werden? Wer entscheidet über Änderungen an der eingesetzten Lösung?

Mit Herausgabe der IT-Anwendungen zum Provider geben Unternehmen nicht nur Daten ab, sondern auch fachliches Know-how (Verfahren, Lösungen). Wie werden die Daten vor Fremdzugriffen geschützt? Wie sicher sind die Daten? Wie groß ist die Gefahr eines Datenverlusts?

Unter Abwägung der Chancen und Risiken wird SaaS in den meisten IT-Segmenten vermutlich weiterhin langsamer wachsen, als von Vielen erwartet. Die (anbieterseitigen) Vorteile von SaaS können am ehesten von neuen Softwareanbietern genutzt werden, die keinen Umstellungsaufwand haben, sondern gleich auf eine neue Technologie aufbauen – und von großen IT-Konzernen wie IBM und Microsoft, die finanziell einen „langen Atem“ haben.