Die Vermittlung von Werten soll bei der Ausbildung von Finanzdienstleistern künftig mehr im Vordergrund stehen. Angesichts der Finanzkrise fordern Personalverantwortliche nicht nur eine Stärkung der fachlichen Qualifikation, sondern auch die Vermittlung von ethischen Normen wie Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit, Vertrauen und Seriosität. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse des „Ausbildungsatlasses Finanzdienstleistung“, einer bundesweiten Studie über Ausbildungs- und Berufswege in der Versiche¬rungs- und Finanzdienstleistungsbranche, die in diesem Jahr zum zweiten Mal von der Öffentlichen Versicherung Braunschweig in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Klaus Merten aus Münster aufgelegt und zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres veröffentlicht wurde.
Die gute Nachricht: Die Finanzkrise wirkt sich nicht negativ auf das Ausbildungsverhalten der Finanzdienstleister aus. Im Gegenteil auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bieten Versicherungen und Kreditinstitute den Karriereeinstieg in ein interessantes und vielfältiges Berufsfeld. Bei 80 Prozent der befragten Unternehmen finden interessierte Berufseinsteiger Ausbildungsplätze und Traineeships. Die Bewerberzahl liegt 2009 im Durchschnitt bei 236 Interessierten pro Unternehmen. Davon werden durchschnittlich 21 Bewerber, also jeder Elfte (neun Prozent), eingestellt. Allerdings gehen die Ausbildungsverantwortlichen mit 57,2 Prozent noch stärker als die Vorjahresbefragten (52,4 Prozent) davon aus, dass die Zahl der Bewerber in Zukunft abnehmen wird. Privatbanken, Sparkassen und Versicherungen öffnen ihre Ausbildungstüren zum überwiegenden Teil nur noch Abiturienten. Realschüler finden die günstigsten Einstiegsmöglichkeiten bei den Genossenschaftsbanken und in Vermögensberatungen. Völlig überraschend und so in der Vorjahresstudie überhaupt nicht erwähnt ist die Forderung nach einem sozialen Engagement als Einstiegsqualifikation. Immerhin 16,9 Prozent der Gesamtbefragten erwarten von ihren Berufseinsteigern gemeinnütziges Handeln. Neben der Fachkompetenz (39,7 Prozent) erwartet man von einem idealen Bewerber vor allem kommunikative Fähigkeiten (25,1 Prozent). Zu diesem Ergebnis kam bereits die Vorjahresstudie.
Auch in Zukunft ist die Kommunikationskompetenz der Bewerber noch vor der Fachkompetenz entscheidend für eine Karriere im Finanzdienstleistungsbereich. Natürlich müssen die Finanzdienstleister von morgen (fachliche) Wissensbestände mitbringen. Wesentlich ist jedoch, dass sie die Aufgaben des Berufes auch mit kommunikativen Fähigkeiten wie einer sprachlichen Ausdrucksfähigkeit, einem seriösen Auftreten und einer interkulturellen Kompetenz meistern.
Beim Wettbewerb um die Talente wirkt sich die Finanzkrise direkt aus: So zeigt es sich, dass in allen Bereichen Rekrutierungsmaßnahmen zurückgefahren werden: Nachwuchsförderprogramme kommen nur noch vereinzelt zum Einsatz. Auch Infoveranstaltungen wurden weniger häufig genannt als im Vorjahr (2009: 18,5 Prozent; 2008: 27,8 Prozent). Bei der Mitarbeiterbindung lassen sich ebenfalls Auswirkungen der Finanzkrise feststellen. Der Anteil der Unternehmen, die 2009 gar nichts in diese Richtung unternehmen (19,8 Prozent) ist fast doppelt so hoch wie im Vorjahr. Hinzu kommt, dass soziale Vergünstigungen um knapp die Hälfte weniger eingesetzt werden.