Beispielhafte Innovationsfreude

 
Heft 4/2011
 
Beispielhafte Innovationsfreude
großes Bild

Auf dem Kongress wurde auch die ungewisse Zukunft des digitalen Briefversands diskutiert. Von links nach rechts: Dr. Klaus Brachmann (Württembergische Gemeinde-Versicherung), Dr. Dieter Ackermann (Volkswohl Bund Lebensversicherung), Volker Termast (T-Systems), Prof. Dr. Walter Brenner (Universität St. Gallen), Ralph Wiegand (Deutsche Post).

Bild:
MCC

Fachkongress „IT-Optionen für Versicherungen.Die diesjährige Veranstaltung präsentierte den Teilnehmern verschiedene Innovatoren der Branche. Die Referenten skizzierten unter anderem die zukünftigen Leitlinien für Cloud Computing, digitalen Briefversand und den einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum SEPA.

Ist die Versicherungsbranche schnell genug, wenn es um Innovationen geht? Hartmut Löw vom Veranstalter MCC zeigt sich skeptisch und präsentierte auf dem diesjährigen Fachkongress „IT-Optionen für Versicherungen“ verschiedene Innovatoren der Branche, die den Teilnehmern Leitideen geben und an ihre Innovationsfreude appellieren sollten.

So brachte Thomas Renner vom Fraunhofer Institut für Arbeits- und Organisationsforschung (IAO) den Teilnehmern die künftige Bedeutung von Cloud-Computing-Technologien näher. In Zukunft, so Renner, seien IKT-Ressourcen überall und geräteunabhängig verfügbar. Geschäftsprozesse würden so vermehrt aus Diensten zusammen gesetzt, der SaaS-Bereich sei dabei am wichtigsten unter den Cloudthemen.

Renner verwies auf eine Gartner-Studie, nach der im kommenden Jahr rund 20 Prozent der Unternehmen kein IT-Inventar (vor allem Hardware und Lizenzen) mehr besitzen. Eine zentrale Frage sei daher, ob Unternehmen in Zukunft überhaupt noch eigenes IT-Inventar brauchen.

Dr. Stephan Kaufmann, Geschäftsführer beim Vermögensberater AWD, stellte im Zusammenhang mit der Datenwolke die redundante Haltung versicherungsrelevanter Daten im Vertrieb in den Mittelpunkt: Unter dem Motto „Unsere Cloud sind Sie“ präsentierte Kaufmann die Idee, als Vermittler die Daten nicht mehr selbst zu speichern, sondern bei Bedarf vom Versicherer anzufordern. Auf diese Weise könne die Effizienz der mit horrenden Verwaltungsaufgaben belasteten Vertriebsarbeit erheblich verbessert werden.

Auch die weitgehend verdrängte SEPA-Problematik wurde auf dem Kongress wachgerufen: Falk Löffler, Prokurist und SEPA-Verantwortlicher der Nürnberger Versicherungsgruppe, appellierte an die Teilnehmer, sich schnellstmöglich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Durch politische Entscheidungsprozesse sei noch keine eindeutige Frist identifiziert, mit aller Wahrscheinlichkeit träten aber innerhalb der nächsten zwei Jahre neue Vorschriften in Kraft. Die neuen Regeln hätten unter anderem zur Folge, dass die Versicherer die Bankdaten ihrer Kunden überprüfen, eventuell neu erheben und qualifizieren müssten.

Silvia Lantenhammer pflichtete Löffler mit mahnenden Worten bei. Die Beraterin wies zudem darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft durch ihr mangelndes Interesse an den geplanten Änderungen im Zahlungsverkehr in Europa hinterherhinkt: „Deutschland ist das einzige Land, in dem SEPA noch nicht umgesetzt wird.“

Auch die neuen digitalen Kommunikationslösungen wie E-Postbrief oder DE-Mail wurden auf dem Forum diskutiert. Prof. Dr. Walter Brenner von der Universität St. Gallen, der den Kongress moderierte, nannte es eine „eminente wirtschafts- und gesellschaftspolitische Aufgabe, sich an dieser Diskussion zu beteiligen“. Ralph Wiegand von der Deutschen Post wies im Hinblick auf die unklare Rechtssicherheit auf die zahlreichen Reiseveranstalter hin, die digitale Reiseunterlagen ausgeben: „Hier funktioniert es einfach deshalb, weil man es will.“ Auf ähnlichem Wege könne und solle sich die Digitalisierung von Dokumenten auch mit rechtlichem Restrisiko durchsetzen.

Auch den Vorwurf eines Teilnehmers, Post und Telekom sollten doch eine Einigung finden und sich zwischen E-Postbrief und DE-Mail entscheiden, wies Wiegand zurück: Schließlich sei der Wettbewerb gut für die Marktentwicklung. Und die aktuellen Standards noch nicht ausgereift.

Autor: Markus Schulze Wehninck

Branchenguide 2011
CallCenter for finance 2011
CallCenter Verband